Görlitzer Bahnhof in Berlin (Foto: visitBerlin, Günter Steffen)
Görlitzer Bahnhof in Berlin (Foto: visitBerlin, Günter Steffen)

Unten vor dem U-Bahnhof Görlitzer Bahnhof stehen morgens zwei ältere Herrschaften von den Zeugen Jehovas – abends stehen an der gleichen Stelle die Dealer. Nur ein Zufall oder haben die sich abgesprochen?

Wer nicht weiß ob es Morgen oder schon wieder Abend ist, weil er zu verstrahlt oder zu stoned ist, braucht nur zu schauen, wer am Görli vor der Treppe steht.

Die Zeugen Jehovas halten stumm den „Wachtturm“ in die Höhe. Die Dealer bedrängen jeden, der nicht schnell genug wegguckt.

Wenn der Wachtturm weg ist, wird am Görli Gras vertickt.

Was das mit dem Ardmore 12 Jahre Port Wood zu tun hat? Nun einerseits ist er ein bisschen wie die Zeugen Jehovas: Zurückhaltend, ohne große Überraschungen und fast ein wenig bieder. Andererseits ist da die schicke Flasche: Sie riecht nach blingbling und Lederjacke, hat Style wie ein G. Der neue Ardmore – ein Whisky zwischen den Welten.

In Kennethmont schwört man jetzt auf Portwein

Ardmore hat mit dem Legacy im letzten Jahr gut vorgelegt: Der ist ein schön unkomplizierter, rauchig-torfiger Highlander. Und das für deutlich unter 30 Euro. Vermutlich lief dieser Whisky nicht zuletzt wegen seines sehr guten Preises wie geschnitten Brot und so legen die Brennmeister aus Kennethmont jetzt nach: Der Ardmore 12 Jahre ist neben Ardmore 20 Jahre und Ardmore 30 Jahre der jüngste Age-Statement-Whisky in der Range der Highland-Destillerie. Da ein simpler 12-jähriger Single Malt aber kaum jemand hinter dem Ofen vorlocken dürfte, erhielt der Neuling ein Portwein-Finish. Typisch für Ardmore-Whiskys ist die Verwendung von leicht getorftem Gerstenmalz mit 12 ppm, welche den Malts ihren leicht rauchigen Charakter verleiht.

„Besonders Anfängern bietet er einen angenehmen Einstieg in die Gruppe der torfigen Whiskys“, frohlockt die Pressemitteilung in einem Tonfall, bei dem die Dealer am Görli verkaufstechnisch natürlich nicht mithalten können. Die nuscheln ja eher verstohlen „Wanna smoke?“ oder auch „Gras, Gras“.

Ein weiterer Vorteil des Ardmore 12 Jahre soll nicht verschwiegen werden: Es gibt ihn ganz legal im Geschäft. 700 Gramm kosten 50 Euro, kein ganz günstiger Kurs für einen 12-jährigen Single Malt. Die wichtige Frage aber bleibt: Wie gut ist der Ardmore Port Wood?

Die Flasche des Ardmore Port Wood kommt mit hübscher Verzierung. (Foto: Amazon)
Die Flasche des Ardmore Port Wood kommt mit hübscher Verzierung. (Foto: Amazon)

Ein ungefilterter Whisky mit tiefdunkler Farbe

Netterweise haben die Farbverantwortlichen von Ardmore den Port Wood 12 Jahre tatsächlich etwas dunkler als den No-Ager Legacy eingefärbt. Das haben wir bei gewissen Destillerien auch schon andersherum erlebt. Der Whisky ähnelt mit seiner rubingoldenen Farbe erstaunlich dem Glenmorangie Quinta Ruban, vermutlich hat der dunkle Portwein hier einen positiven Einfluss gehabt. Interessant ist die Kombination aus Farbstoffen und dem Verzicht auf Kältefiltration, die man eher selten findet. So ist der Ardmore Port Wood etwas dazwischen und wir hätten uns gewünscht, dass auch die Färbung komplett natürlich ist.

Unser Tasting des Ardmore 12 Port Wood

Wie riecht er?

Würziges Holz und Räucherspeck bilden den Auftakt dieses torfigen Highlanders. Erdig und mineralisch, für einen Moment dachte ich glatt, dass ich Sand zwischen den Zähnen habe. Eine dezente Süße geht in Aromen von Bratapfel, Trauben, Rosinen, Mandeln über. Rotwein, Muskat und Holz bringen Trockenheit in den Abgang. Die Portweinnote liegt hinter allem. Wenn der Ardmore 12 so schmeckt wie er riecht, ganz großes Kino.

Wie schmeckt er?

Trocken und würzig mit leichtem Körper tänzelt der Neuling über unsere Zunge. Den könnte man glatt mal nach Islay zum Praktikum schicken, so rauchig und torfig wie der hier lossmogt! Im Mittelteil eine ausgeprägte Süße ohne dabei klebrig zu werden. Waldhonig mit Rosinen und Cranberries. Die Süße vom Portwein kommt gelegentlich durch, bildet aber nicht den Hauptcharakter. Eine dezente Fruchtigkeit durchzieht diesen Malt, der auf der ganzen Klaviatur der Aromen mitspielen will. Auch die mineralische Note aus dem Nosing ist wieder am Start.

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Ardmore 12 Jahre Port Wood Finish
Gestaltung & Story100
Geruch88
Geschmack84
Preis-Leistung60
83
Vorzüglich
Fazit
Mit dem Legacy hat Ardmore letztes Jahr eine ganz heiße Ware aufs Tapet gebracht. Geschmacklich legt der neue 12-jährige noch ordentlich Reife und Komplexität drauf. Das Port-Finish ist exquisit eingebunden und nicht zu dominant. Der Ardmore 12 Jahre ist der bessere Whisky von beiden. Guter Stoff hat bekanntlich seinen Preis - die UVP von 50 Euro finden wir aber etwas hoch angesetzt. Ein 10er weniger und es wäre eine Pflichtflasche für jede Heimbar.

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Whisky-Duell Nr. 1: Ardmore 12 Port Wood vs. Ardmore Legacy

Ich weiß nicht ob es an meiner frisch geöffneten Flasche liegt, aber bei mir riecht der Ardmore Legacy direkt nach dem Einschenken immer nach feuchter Pappe. Erst mit etwas mehr Luft am Whisky entfaltet er sich. Im Vergleich ist der Gerüch dünner, der Rauch beim Legacy markanter. Apfel und Birne, geriebene Zitronenschale, dazu Honig. Jung und nicht übermäßig komplex, aber angenehm. Im Abgang kommt er mit Torf direkt auf den Punkt. Im Vergleich ist der Ardmore 12 schon etwas reifer und ausgeglichener. Das wilde Feuer des Torfs ist verglüht und die Süße des Ports gibt ihm eine schöne zusätzliche Dimension.

Whisky-Duell Nr. 2: Ardmore 12 Port Wood vs. Glenmorangie Quinta Ruban

Nur ganz kurz habe ich interessehalber noch den Glenmorangie Quinta Ruban ins Nosing-Glas getröpfelt. Der Port-Charakter ist viel wuchtiger als beim Ardmore. Eine trockene, süßliche Weinnote durchzieht den Malt komplett und drückt ihm ihren Stempel auf. Rote Trauben und Beeren, zugleich aber durch die Trockenheit delikat. Würde gut zu salzigem Räucherspeck passen. Welcher besser ist? Das hängt davon ab, ob man gerne Port mag und wie viel man davon aromatisch in seinem Whisky haben möchte.

1 Kommentar

  1. Kann mich Lukas in der Bewertung des Ardmore Port Wood Finish nur anschließen. Vom Charakter her würde er sehr gut auf Islay passen, ist aber etwas süßer geraten als die Torf-Brüder der Hebriden. Nur der Name „Port Wood“ ist nicht ganz passend, da diese Note fast ganz unter geht. Aber auf alle Fälle ein überragende Geschmacksüberraschung, die ich in dieser Komplexität nicht erwartet hätte. Wer mehr Port Wood Finish erwartet ist mit Sicherheit bei dem Glenmorangie Quinta Rubin bestens aufgehoben.

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