Die gekreuzten Schwerter und das Wappen von Queen Victoria kündigen den Chivas Regal 18 Jahre an, der auch aromatisch in der Königsklasse spielen möchte. Während einige Genießer ihn feiern, finden andere ihn schlicht langweilig. Wir wollten genauer wissen, was dran ist und haben den Chivas Regal 18 deshalb für Malt Whisky verkostet. Seid gespannt!

Geht ihr auch manchmal „auf Nummer sicher“? Ich zuletzt an Weihnachten. Ein Geschenk für die Schwiegermutter musste her. Nur, was schenkt man jemandem, der schon alles hat?

Wer jetzt denkt „einen Whisky“, der liegt leider falsch. Während man dem Schwiegervater natürlich ohne mit der Wimper zu zucken eine gute Flasche Scotch oder einen feinen Rum überreichen kann, will das Schenken von Alkohol an Frauen in unserer Gesellschaft wohl überlegt sein. Wie leicht liegt man daneben und die Dame fühlt sich vielleicht zu Unrecht in die „Hausfrau trinkt gerne“-Ecke geschoben. Oder aber der gute Tropfen mundet gleich gar nicht, ist zu scharf, zu unruhig, zu rauchig…

Nein, wer seiner Schwiegermutter ungefragt einen Scotch Whisky schenkt, der muss schon starke Nerven haben (außer natürlich sie ist bekennender Whisky-Fan, trägt gerne Ardbeg-T-Shirts und ist auf jeder Whisky-Messe dabei).

Am Ende ist es bei mir einfach ein Set aus edlem Olivenöl und feinem Himbeeressig geworden. Man kann sich beides über den Salat gießen und vermutlich schmeckt es sogar ganz gut. Es war die berühmt-berüchtigte „Nummer sicher“.

Die Strathisla-Destillerie in den Highlands: Hier wird einer der wichtigsten Whiskys für Chivas Regal hergestellt (Foto: tinu77 / flickr.com)
Die Strathisla-Destillerie in den Highlands: Hier wird einer der wichtigsten Whiskys für Chivas Regal hergestellt (Foto: tinu77 / flickr.com)

Ein Chivas im Regal ist eine sichere Bank

Auch in Whisky-Kreisen gibt es Abfüllungen, die eindeutig in die Kategorie „Nummer sicher“ fallen. Da wären die Blends: Wer keine Überraschungen erleben möchte, der ist hier meistens ganz gut aufgehoben. Beim Blend vertraue ich einer starken Marke, die mit ihrem Namen für eine konstante Qualität steht. Das ist das Geschäft von Johnnie Walker, Famous Grouse und Chivas Regal. Wer den Nervenkitzel sucht, wird vielleicht eher zu einer Single Cask-Abfüllung greifen. Man kann dabei Glück haben oder auf die Nase fallen. Beim Blend dagegen weiß ich vorher schon, was mich erwartet – zumindest wenn ich ihn schon mal verkostet habe.

Genau das wollen wir mit dem älteren Bruder des Chivas Regal 12 Jahre jetzt tun und sind gespannt, was ein Blend aus mindestens 18 Jahre alten Malts (und dem üblichen Grain Whisky) so alles kann:

Unser Tasting des Chivas Regal 18 Jahre

Wie riecht er?

Weich und süß zieht uns der Duft in die Nase. Stärker ausgeprägt sind aber die fruchtigen Noten, die uns spontan an Speyside-Whiskys erinnern. Wir riechen Birne und Apfel, aber auch Zwetschgen. Honig und Marzipan markieren den Übergang zu den nussigen Noten. In Sirup getränkte Früchte auf feuchtem Waldboden. Wer seine Nase zu lange in die Mischung hält, setzt sich aber der Gefahr akuter Verklebungen seines Riechkolbens aus – der Chivas Regal 18 ist einfach ein unverschämt süßer Geselle. Besonders spannend ist das Nosing, wenn man den Chivas Regal 12 Jahre kennt. Denn obwohl für den 18er andere Single Malts verwendet werden, merkt man sofort, dass die beiden Blends aus demselben Stall kommen.

Wie schmeckt er?

„Ach, wie nett“, ist unser erster Gedanke, als wir den Blend kurz darauf im Mund haben. Ausgewogen, weich und lieblich schleicht sich der Chivas 18 durch den Mund. Frei nach der Devise: Will keinem weh tun und nicht auffallen. Aber so leicht kommt er uns nicht davon. Wir verkosten nach und können doch noch etwas tiefer in die süße Aromenwelt dieses Blends eintauchen: Wir schmecken Buttertoffee und Sahne, dazu üppige Dessertcremé mit Vanille und eine Spur Trockenfrüchte. Im Mittelteil überwiegt dieser gediegene Part, ohne allerdings weitere Tiefe zu entwickeln. Wo andere Whiskys richtig loslegen, ist beim Chivas Regal 18 Jahre schon Schluss. Seltsam schwunglos rettet er sich in den kurzen Abgang und bleibt sogar etwas bitter im Mund zurück. Nett zu trinken, aber mehr auch nicht…

Chivas Regal 18 Jahre
Gestaltung & Story75
Geruch70
Geschmack68
Preis-Leistung60
68
Gut
Fazit
Weich und süß ist die Aromenwelt des Chivas Regal 18 Jahre. Daran ist nichts verkehrt, aber etwas mehr Spannung darf es dann doch sein. Im Mittelteil kommt beim Chivas 18 nicht viel, uninspiriert serviert er direkt den kurzen und sogar leicht bitteren Abgang. Zum Preis von 50 Euro gibt es exquisite Alternativen, die deutlich mehr können als dieser "Nummer-sicher-Blend".

Kaufratgeber zu den Whiskys von Chivas Regal

Lässt man verschiedene Sondereditionen außen vor, sind von Chivas Regal aktuell folgende Scotch Blends erhältlich:

  • Chivas Regal 12 Jahre als Einstieg mit weichem und süßem Geschmacksprofil. Erhältlich für 25-30 Euro.
  • Der hier getestete Chivas Regal 18 Jahre ist üppiger und reifer. Erhältlich für 50-55 Euro.
  • Chivas Regal 25 Jahre bietet in Sachen Tiefe und Komposition der Aromen am meisten. Dafür deutlich hochpreisiger. Erhältlich ab 200 Euro.
  • Chivas Regal Extra verzichtet auf das Age-Statement, wurde dafür aber in Sherry-Fässern gelagert. Erhältlich für 30-40 Euro.
  • Chivas Regal Ultis ist ein Blended Malt ohne Grain Whisky. Er besteht aus fünf ausgesuchten Single Malts. Kein Age-Statement. Erhältlich ab 120 Euro.

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1 Kommentar

  1. Hatte ich mal gekauft. War für mich so farblos im Geschmack und hatte keine Öligkeit für das Alter. So kam mein Vater an ein kostenloses Exemplar von diesem Mischwhisky.

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