Sie sollten eigentlich das Prunkstück in der langen Reihe rarer Whiskys im Besucherzentrum der neuen 140 Mio. Pfund teuren Macallan-Destillerie sein: Kostbare historische Abfüllungen aus dem 19. Jahrhundert. Doch jetzt zog die Brennerei mehrere alte Malts zurück. Der Verdacht: Es handelt sich bei den Macallans um plumpe Fälschungen.

Ein gefälschter Macallan für 9.999 Schweizer Franken

Macallans und Fälschungen – war da nicht was? Ja richtig, vor ziemlich genau einem Jahr war dieses Thema schon einmal aktuell. Am 29. Juli 2017 entschied sich der Chinese Zhang Wei, im vornehmen Hotel Waldhaus am See in St. Moritz an die Bar zu gehen, um dort für stolze 9.999 Schweizer Franken (umgerechnet über 8.500 Euro) einen Schluck Macallan von 1878 zu bestellen. Stolz postete er ein Foto von dem wohl teuersten jemals ausgeschenkten Glas Whisky.

Doch die Freude währte nicht lange: Denn Whisky-Sammler äußerten bald Zweifel an der Echtheit des uralten Macallans. Eine Labor-Überprüfung im schottischen Dunfermline ergab kurz darauf: Dieser Malt ist eine Fälschung! Es wurde kein Macallan, sondern ein Blend abgefüllt, der vermutlich zwischen 1970 und 1972 hergestellt wurde. Der Hotelmanager flog persönlich nach China, um Zhang Wei sein Geld zurückzuerstatten.

Dieser Macallan von 1878 entpuppte sich als Fälschung (Foto: Waldhaus am See Hotel)
Dieser Macallan von 1878 entpuppte sich als Fälschung (Foto: Waldhaus am See Hotel)

Auch Flaschen in Macallans Sammlung sind offenbar gefälscht

Doch die Affäre nahm damit erst den Anfang: Denn in der Folge wurden auch Zweifel an weiteren historischen Flaschen laut, welche Macallan in seiner eigenen Sammlung im zur Destillerie gehörigen Easter Elchies House ausstellte. Macallan hatte immer betont, dass diese Flaschen echt seien, während der Whisky darin eine Fälschung sei. Tests hätten aber gezeigt, dass Glas und Etikett aus dem 19. Jahrhundert stammten.

Vielleicht wollte man auch gar nicht so genau hinschauen bei Macallan. Jedenfalls waren es erneut Whisky-Sammler, die auf erstaunliche historische Ungenauigkeiten auf den Etiketten hinwiesen. So wurde dort Bezug auf Roderick Kemp genommen, der Inhaber von „Macallan and Talisker Distilleries Ltd.“ sei. Dabei besaß Kemp niemals beide Destillerien gleichzeitig. Er musste vielmehr Talisker im Jahr 1892 verkaufen, um sich Macallan überhaupt leisten zu können.

Es ist nicht das erste Mal, dass Roderick Kemp in Verbindung mit diesem offensichtlich falschen Firmennamen auf Macallan-Flaschen entdeckt wurde: Schon im Januar 2003 berichtete Dave Broom im Whisky Magazine unter anderem über zwei gefälschte Macallan-Whiskys aus den Jahren 1872 und 1888. Die angegebenen Firmennamen waren nirgendwo verzeichnet. Einen Irrtum schließt Broom aus. Er sagt: „Kemp was a businessman. He wouldn’t put an illegal company name on his whisky. Neither would he have deviated from standard business practice and changed the name of his firm willy-nilly.“

Die Macallan-Collection in der neuen Destillerie zeigt Prunkstücke der Destillerie (Foto: Ian Gavan / Macallan)
Die Macallan-Collection in der neuen Destillerie zeigt Prunkstücke der Destillerie (Foto: Ian Gavan / Macallan)

Wie authentisch ist die Sammlung in der neuen Destillerie?

Als Experten und das Online-Magazin Scotchwhisky.com die Echtheit mehrerer Flaschen in Frage stellten, entfernte Macallan die Flaschen aus der Ausstellung im Easter Elchies-Haus. Nur um sie nun – wenige Monate später – in der neuen Destillerie wieder als Teil einer „authentischen“ Sammlung zu präsentieren.

Nun kann Macallan natürlich nicht verhindern, dass es Fälschungen ihrer alten Whiskys gibt. Die Speyside-Brennerei ist vermutlich selbst beim Erwerb der Flaschen für die Sammlung Anfang der 2000er Jahre tüchtig übers Ohr gehauen worden. Bis zu 100 Macallan-Whiskys aus dem 19. Jahrhundert hat sie damals erworben. Und niemand weiß genau, wie viele davon echt sind…

Die Glaubwürdigkeit von Macallan steht auf dem Spiel

Doch der sorglose Umgang mit dem Thema überrascht dann doch: Wenn gefälschte Flaschen einmal „aufgeflogen“ sind, dann sollte man sie entweder entsprechend markieren – etwa in einer gesonderten Vitrine zum Thema Macallan-Fälschungen – oder sie ganz aus der Ausstellung nehmen. So entsteht der Eindruck, dass Macallan selbst nicht ganz so genau hinschauen will. Frei nach dem Motto: Hauptsache es sieht alt aus und wenn keiner guckt, dann stehen sie wieder da.

Das ist aber keine gute Botschaft an Sammler, die in Sachen Fälschungen eigentlich Unterstützung von der Destillerie bräuchten. Denn wenn Macallan anscheinend selbst nicht weiß, welche Whiskys nun echt sind und welche nicht und die entscheidenden Hinweise zur Aufdeckung von Fälschungen von Sammlern stammen, dann steht am Ende die Glaubwürdigkeit der traditionsreichen Destillerie selbst auf dem Spiel.

Macallan sollte sich selbst an die Spitze setzen, wenn es darum geht Fälschungen aufzudecken und Fälschern das Handwerk zu legen.

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