Die kräftige Farbe des GlenAllachie 12 Jahre ist natürlich: Der Malt wurde nicht gefärbt und nicht gefiltert (Foto: Malt Whisky)
Die kräftige Farbe des GlenAllachie 12 Jahre ist natürlich: Der Malt wurde nicht gefärbt und nicht gefiltert (Foto: Malt Whisky)

Die meisten schottischen Destillerien sind uralt: Sie wurden im Laufe des 19. Jahrhunderts gegründet, einige sogar noch früher. Große Namen wie Ardbeg, Laphroaig, Lagavulin oder Bladnoch haben vor kurzem ihr 200-jähriges Jubiläum gefeiert. Von diesen großen Zahlen ist GlenAllachie in der Speyside weit entfernt: Erst 1967 im Zuge des damaligen Blended-Whisky-Booms gegründet, fällt die Historie denkbar kürzer aus. Doch davon sollte man sich nicht abschrecken lassen: Denn die neuen Single Malts von GlenAllachie sind astreine Speysider im klassischen Stil!

Warum eine lange Tradition so wenig über den Whisky aussagt

Machen wir uns nichts vor: Die lange Historie einer Destillerie ist vor allem etwas für uns Whisky-Genießer und Sammler. Sie gibt uns ein gutes Gefühl. „Etwas was lange da ist, hat sich bewährt“, denken wir und stellen uns vor, wie die Fässer von Hand in die niedrigen Dunnage Warehouses gerollt werden und der Master Blender noch mal prüfend die Valinch ins Barrel hält, um sich eine Probe zu ziehen.

Nun lagern auch die Fässer der traditionsreichsten Brennereien mittlerweile in Hochregallagern, die über ganz Schottland verteilt stehen, jedes Cask ist meinem Barcode versehen und der Master Blender hat seine Mitarbeiter, die ihm die Proben fein säuberlich beschriftet ins Büro bringen. Kurz: Der Alltag in schottischen Destillerien ist weit weniger romantisch als wir uns das beim abendlichen Dram gemeinhin so vorstellen.

Hinzu kommt: Bis auf die alten Gebäude ist technisch in den Destillerien praktisch nichts auf dem alten Stand geblieben. Und geschmacklich? Auch da hat sich einiges verändert. Früher landeten praktisch alle Whiskys in Blends, die heute so beliebten Single Malts sind eine Erfindung aus den 1960er Jahren. Schon deshalb mutet es immer etwas seltsam an, sich auf 200 Jahre Tradition zu berufen, wenn doch das Kernprodukt heute kaum älter als 40 oder 50 Jahre sein kann (und die meisten abgefüllten Single Malts ja sogar noch deutlich jünger sind).

Die GlenAllachie-Destillerie südlich von Aberlour mit Löschteich (Foto: Hersteller)
Die GlenAllachie-Destillerie südlich von Aberlour mit Löschteich (Foto: Hersteller)

Den Whisky interessiert es nicht, wo er hergestellt wird

Wir haben bei unseren Tastings immer wieder festgestellt: Einige der genialsten Whiskys kommen aus ziemlich unromantischen oder sogar hässlichen Brennereien. In Betonklötzen spucken die Stills unermüdlich frischen New Make aus, viele Millionen Liter pro Jahr. Und trotzdem kommt nach einigen Jahren Fassreifung ein verdammt geiler Tropfen dabei heraus. Es interessiert den Whisky nicht, ob die Destillerie in wunderschöner Natur steht oder die kupfernen Brennblasen täglich von außen auf Hochglanz poliert werden.

Auch GlenAllachie ist nicht unbedingt eine Schönheit. Von außen erinnern die Gebäude mit Schrägdach fast ein wenig an einen zu groß geratenen Hühnerstall. Weiß gestrichene Rauputzwände statt Backsteinromantik. Und vielleicht sparen sie sich bei GlenAllachie auch die Glattpolitur der Brennblasen. Denn es gibt seit jeher kein Besucherzentrum und somit auch nur ausgewählte Fotos aus dem Inneren der Destillerie. Zwei ungewöhnlich breite Brennblasen-Paare produzieren bis zu 4 Mio. Liter Alkohol im Jahr. GlenAllachie ist ein Workhorse, keine Craft-Destillerie. Aber all das sagt eben nichts über die Qualität des hier produzierten Whiskys aus.

Warum gibt es erst jetzt einen Single Malt Whisky von GlenAllachie?

Man könnte die Frage auch umkehren: Warum gab es so lange keinen GlenAllachie Single Malt? Die Antwort ist in der nicht allzu langen Historie zu finden: Die GlenAllachie-Destillerie wurde 1967 mit dem Ziel gegründet, möglichst viele Malts im leichten und fruchtigen Speyside-Charakter für die Blends der Chivas Brothers zu brennen. Man machte sich nicht die Mühe, die Destillerie groß zu bewerben oder mit Einzelabfüllungen ins Licht zu rücken. Dort standen Chivas Regal oder auch der in Frankreich viele Jahre beliebte Clan Campbell.

Noch im Jahr 2010 war es der beliebteste Scotch Blend in Frankreich mit 1,7 Mio. verkauften Kisten pro Jahr. Doch irgendwann danach kam Clan Campbell ins Schleudern, die günstige Marke war nicht mehr so gefragt wie früher. Das hatte auch direkte Auswirkungen auf den Hersteller des Herzstücks dieses Whiskys: GlenAllachie in der Speyside. Pernod Ricard, der Eigentümer der Chivas Brothers, entschloss sich 2017 zum Verkauf der Destillerie.

Billy Walker (Ex-Master Distiller von BenRiach), Graham Stevenson (Ex-Inver House Distiller Master Distiller) und Trisha Savage schlugen zu und kauften Glenallachie für eine nicht näher genannte Summe.

Blick ins Stillhouse: GlenAllachie hat zwei Brennblasen-Paare und kann 4 Mio. Liter Alkohol pro Jahr herstellen (Foto: Hersteller)
Blick ins Stillhouse: GlenAllachie hat zwei Brennblasen-Paare und kann 4 Mio. Liter Alkohol pro Jahr herstellen (Foto: Hersteller)

Die Bestände reichen bis in die 1970er Jahre zurück

Zur Destillerie gehören nicht nur die Produktionsgebäude, sondern auch 16 Lagerhäuser mit rund 50.000 gelagerten Whiskyfässern, die bis in die 1970er Jahre zurückreichen. Ein unvergleichlicher Schatz – oder ein schweres Erbe. Denn erst wenn alle Fässer getestet wurden, lässt sich sagen, wie gut die enthaltenen Whiskys tatsächlich sind.

Ansonsten ist das Vorgehen ganz ähnlich wie bei der Bladnoch-Destillerie, die wir letztens hier bei Malt Whisky bereits ausführlich vorgestellt haben: Man bedient sich aus den Beständen und bringt erst mal neue Abfüllungen alter Whiskys heraus. Das bringt Einkünfte in der Zeit, bis die neuen Malts reif sind.

Die neuen GlenAllachie-Whiskys kriegen einen anderen Stil

Interessant ist schon jetzt, dass GlenAllachie für die neuen Whiskys einen Stilwechsel anstrebt. So wurde die Fermentationszeit erhöht und beträgt nun relativ lange 120 Stunden, wie Margarete von WhiskyundFrauen in Erfahrung gebracht hat. Sie soll das Destillat fruchtiger und kräftiger machen. 20 Prozent der Produktion finden laut Informationen von Scotchwhisky.com mit getorfter Gerste statt. In Zukunft wird es also wohl auch rauchige GlenAllachie Single Malts geben. Und noch ein Fakt lässt aufhorchen: Billy Walker hat von Pernod Ricard auch die Rechte an den eher unbekannten Blend-Marken MacNair’s und White Heather erworben. Gut möglich, dass GlenAllachie in Zukunft also zweigleisig fährt und sowohl mit eigenen Single Malts von sich reden macht, als auch erneut Whiskys für Blends aus den Brennblasen pumpt.

Dieses Jahr kommen die ersten GlenAllachie Single Malts heraus. Die letzte offizielle Abfüllung gab es 2005 – das ist also auch schon wieder 13 Jahre her. Viel Vergleichbarkeit gibt es also nicht und so müssen die GlenAllachie Whiskys weitestgehend für sich stehen.

Großes A und fragwürdiges Etiketten-Design: Der neue GlenAllachie 12 Jahre (Foto: Malt Whisky)
Großes A und fragwürdiges Etiketten-Design: Der neue GlenAllachie 12 Jahre (Foto: Malt Whisky)

Billy Walker machte das „A“ in GlenAllachie groß

Der erste Schritt von Billy Walker war typografisch kein allzu großer, aber er markiert das neue Selbstverständnis der Marke: Walker machte das „A“ in Glenallachie groß. Ab jetzt heißt die Destillerie GlenAllachie. Gleiches hatte er zuvor schon mit BenRiach und GlenDronach gemacht. Wann immer ihr also eine Brennerei mit großem Buchstaben in der Mitte des zusammengeschriebenen Namens seht, hatte vermutlich Billy Walker seine Finger im Spiel. Wird die Umbenennung auch bei GlenAllachie zum Erfolg führen?

Ein Flaschendesign mit Steinzeit-Schrift

Normalerweise verlieren wir über die Gestaltung von Whiskyflaschen nicht allzu viele Worte. Aber diesmal muss es sein: Das Design der neuen GlenAllachies ist leider furchtbar geschmacklos. Die verwendete Schriftart ist irgendwo zwischen Steinzeit, Keilschrift und Comic Sans angesiedelt, sie steht auf einer angedeuteten Felsstruktur. Dazu kommt die absurd schräge Farbgestaltung. Der 12er kombiniert ein kräftiges Violett mit sehr viel Gold. Das soll wertig wirken, wirkt aber in dieser Kombination leider ziemlich billig. Und die anderen Abfüllungen sehen leider auch nicht viel besser aus. Hier ein Blick in die Aufstellung auf der GlenAllachie-Webseite.

Genug gebasht, denn wichtig ist natürlich vor allem, was drinsteckt in der Flasche und so schenken wir uns voller Vorfreude den ersten Schluck GlenAllachie in unserem Whiskyleben ein.

Lust auf ein Tasting? Malt Whisky-Redakteur Lukas hat den GlenAllachie 12 Jahre dabei... (Foto: Malt Whisky)
Lust auf ein Tasting? Malt Whisky-Redakteur Lukas hat den GlenAllachie 12 Jahre dabei… (Foto: Malt Whisky)

Unser Tasting des GlenAllachie 12 Jahre

Wie riecht er?

Ein breiter getreidiger Auftakt. Süß, vollmundig und weich. Serviert werden Haferflocken und Cornflakes, dazu gelbe Früchte: Reife Pfirsiche und getrocknete Aprikosen, dann gebackene Bananen. Im nächsten Gang ein süßer Vanillequark. Hinten angenehm holzig, dabei aber warm und nicht würzig oder gar bissig. Ganz so als hätte man den Duft eines Sommertages im Garten als Eau de Toilette in Flaschen abgefüllt.

Wie schmeckt er?

Voll und üppig erwartet und der GlenAllachie 12 auch bei der Geschmacksprobe. Das Mundgefühl des Speysiders ist ölig und cremig. Die getreidigen Aromen sind auch hier gut vertreten, erneut denken wir an Haferflocken. Interessant ist die kräuterige Note im Mittelteil, welche im Nosing noch nicht zu erkennen war. Sie erinnert uns an Oregano oder Majoran und bringt eine feine Würzigkeit in den Malt. Aber wo sind die reifen Früchte? Wo die Vanille? Im Mund ist dieser Whisky deutlich ernster und weniger als die Nase vermuten ließ. Das Holz sorgt für einen klaren Abgang, der Geschmack von Eiche bleibt noch kurze Zeit im Mund zurück.

Samuel probiert den GlenAllachie 12 Jahre im sommerlichen Wald von Potsdam (Foto: Malt Whisky)
Samuel probiert den GlenAllachie 12 Jahre im sommerlichen Wald von Potsdam (Foto: Malt Whisky)
GlenAllachie 12 Jahre
Gestaltung & Story62
Geruch87
Geschmack87
Preis-Leistung90
82
Vorzüglich
Fazit
Ein wirklich gelungener Speyside-Whisky im klassischen Stil, der in Nase und Mund zwei ganz unterschiedliche Qualitäten ins Spiel bringt. Der süße Duft von gelben Früchten weicht dem würzigen Geschmack von Kräutern. Die Gestaltung der Flasche wird der Qualität des Malts leider nicht ganz gerecht. Die Preis-Leistung von rund 40 Euro stimmt beim GlenAllachie 12 Jahre aber.

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