Jede Whiskysammlung hat ein mal klein angefangen. (Foto: Dan Nicholson / Flickr)
Jede Whiskysammlung hat ein mal klein angefangen. (Foto: Dan Nicholson / Flickr)

Am Anfang steht die Begeisterung: Der Whisky mit seinem Duft und Geschmack zieht uns in seinen Bann, wir sind fasziniert von der unglaublichen Vielfalt an Abfüllungen und Variationen. Schnell stehen die ersten Flaschen im Regal und eh man es sich versieht hat man eine kleine Whisky-Sammlung. Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich habe diese Einstiegsflaschen weitgehend intuitiv gekauft. Ich hatte einen dezent fruchtigen Glenfiddich 12 Jahre, also habe ich mir als nächstes einen rauchig-maritimen Talisker 10 Jahre gekauft usw. Diese leicht chaotische Methode funktioniert, aber es geht sicher noch optimaler: In diesem Guide wollen wir das Thema Whisky sammeln daher etwas strategischer angehen und Tipps an die Hand geben, wie ihr eure eigene Whisky-Sammlung gezielt aufbauen könnt.

Überblick verschaffen und eigene Vorlieben erkennen

Wer nicht nur einfach irgendwelche Whiskys wild durcheinander kaufen möchte, der sollte sich zunächst am besten einen Überblick verschaffen. Gerade das fällt Einsteigern bei der schier unüberblickbaren Menge an Destillerien, Marken und Abfüllungen häufig schwer. Klangvolle Namen und schicke Etiketten ziehen das Auge an und verführen zum Kauf.

So schmecken die kräftigen und stark getorften Islay-Whiskys mit ihren salzigen, manchmal medizinischen Aromen vollkommen anders als die eher fruchtigen, blumigen und eleganten Whiskys der Highlands oder der Speyside. In Schottland werden fünf Whiskyregionen unterschieden: Highlands, Lowlands, Speyside, Islands und Islay. Entscheidend für den Geschmack sind neben der Herkunft aber vor allem die verwendeten Rohstoffe, das handwerkliche Geschick, die Art und Länge der Lagerung, die verwendeten Fässer und weitere Faktoren. Obwohl zum Brennen von Single Malts ausschließlich gemälzte Gerste und Wasser verwendet werden darf, existiert so eine große Bandbreite ganz unterschiedlicher Whiskys mit den verschiedensten Aromen.

Standardabfüllungen und warum sie das beste Preis-Leistungsverhältnis haben

Um die Preisgestaltung von Whisky zu verstehen, muss man sich für einen Moment in die Unternehmen hinter den Destillerien hineinversetzen. Sie haben den klassischen Weg eines Whisky-Kunden in ihrer Marktforschung analysiert und vorgezeichnet. Denn der optimale Whisky-Genießer springt nicht zwischen den Marken wild hin und her. Er ist einer, der „seine“ Marke findet und ihr im Idealfall lange treu bleibt. Auch zur Demografie gibt es viele Analysen, denn viele Whisky-Liebhaber sind männlich und kommen Anfang 20 das erste Mal mit Single Malts in Kontakt.

Die meisten Einsteiger starten mit einer Standardabfüllung, das ist meist ein 10 oder 12 Jahre alter Single Malt. Manchmal aber auch ein No-Age-Statement-Whisky ohne Altersangabe auf dem Etikett. Es folgt der langsame Aufstieg – in der Whisky-Szene sagt man manchmal salopp: „Man trinkt sich hoch.“ Und das passt tatsächlich ins Bild, denn die Jahreszahlen innerhalb einer Whisky-Marke steigen an: Es folgt häufig ein 15 Jahre alter Single Malt, dann 18 Jahre, 21 Jahre und 25 Jahre. Teilweise gibt es auch krumme Zahlen, dann landet stattdessen ein 14 Jahre, 17 Jahre oder 23 Jahre alter Malt im Glas.

Das Alter bestimmt den Preis mit, denn naturgemäß sind ältere und somit länger gereifte Whiskys seltener. Es ist einiges an Alkohol und Wasser verdunstet – die Engel haben sich ihren Anteil im so genannten Angels‘ Share mitgenommen. Die Lagerung hat auch etwas gekostet.

Dass ältere Whiskys dennoch überproportional teuer sind, liegt auch an der Preisgestaltung der Destillerien. An den alten Sammlerflaschen wird das Geld verdient, während die Einsteigerflaschen subventioniert werden. Deshalb kostet ein 25 Jahre alter Whisky oft 200-300 Euro, während ein halb so alter 12-jähriger für 30 Euro über die Ladentheke wandert.

Halten wir fest: Standardabfüllungen wie die 10 Jahre oder 12 Jahre alten Single Malts einer Destillerie haben häufig das beste Preis-Leistungsverhältnis. Sie zeigen, welches Profil eine Brennerei hat und bilden eine gute Grundlage für die eigene Whisky-Sammlung.

Die Spezialabfüllungen können warten

Für den Anfang ignoriert ihr am besten die vielen (und häufig teuren) Spezialabfüllungen der Destillerien, da sie den Blick auf das Wesentliche verstellen und orientiert euch an den jüngeren Standardabfüllungen der entsprechenden Hersteller. Ein guter Whisky muss nicht unbedingt besonders alt sein. Es gibt sehr gute jüngere Whiskys – und sehr alte schlechte. Gleichwohl gewinnen viele Whiskys durch die längere Fassreifung an Komplexität hinzu und bilden andere Aromen heraus. Doch als Einsteiger wird man diese kaum vollständig würdigen können. Schon für relativ wenig Geld sind hervorragende Basis-Abfüllungen erhältlich, die einem einen ersten Überblick über verschiedene Geschmacksrichtungen geben können. In unserer Liste gute Whiskys für unter 50 Euro haben wir einige davon zusammengestellt.

Entscheidet man sich zum Beispiel:

hat man schon eine breite Palette aus verschiedenen Whiskyregionen probiert und für etwas mehr als 100 Euro Gesamtpreis einige der bekanntesten Destillerien Schottlands kennengelernt. Wer nicht gleich mit ganzen Flaschen einsteigen möchte, kann sich auch Miniaturen mit 50 ml Inhalt holen, die viele der großen Whisky-Hersteller im Angebot haben. Diese weisen zwar einen deutlich höheren Literpreis auf, allerdings kann man so einen potenziell interessanten Whisky ohne großes Risiko vorkosten. Wenn der Whisky gefällt, kann er immer noch in der großen Version nachgekauft werden. Wenn nicht, verstaubt wenigstens keine ungeliebte Flasche in der Hausbar. Eure Freundin oder Frau wird es euch danken.

Exkurs: Frauen und die eigene Whiskysammlung

Frauen und die Whiskysammlung ist ein Thema, welches einen eigenen Artikel verdient hätte. So ist festzustellen, dass der Besitz von 1-3 Flaschen durchaus noch Interesse beim anderen Geschlecht weckt. Sobald mehr Flaschen die Schrankwand im Wohnzimmer schmücken, sinkt das Verständnis aber rapide. „Trinkst du die auch mal aus?“„Noch eine Flasche? Du hast doch schon so viele“, sind noch einige der harmloseren Bemerkungen, denen sich passionierte Whiskysammler ausgesetzt sehen. Manchmal hilft es an dieser Stelle, den Charakter der Sammlung und die markanten Unterschiede zwischen jeder Flasche zu erklären. Früher oder später empfiehlt sich aber ohnehin der Umzug des Whiskys in ein eigenes Regal oder eine separate Hausbar.

Die Whisky-Sammlung ergänzen und gezielt Highlights einkaufen

Hat man den Einstieg geschafft, die Liebste vom emotionalen Wert einer Whiskysammlung überzeugt und sich und seinen eigenen Geschmack etwas besser kennengelernt, kann man zunehmend dazu übergehen auch einzelne Highlights des höheren Preissegments zu erwerben. Hat man bereits eine Lieblingsdestillerie gefunden, so kann man sich zum Beispiel einmal an einer älteren Abfüllung (zum Beispiel 15 Jahre oder 18 Jahre) probieren, die häufig eine größere Komplexität und reifere Aromen aufweisen wird.

Bourbon, Sherry & Co.: Whiskys mit besonderem Finish

Ein anderer Weg geht über Abfüllungen mit besonderen Finishings. Bei diesem Verfahren werden Fässer verwendet, in denen zuvor andere Spirituosen wie zum Beispiel Sherry, Rum, Bordeaux oder Bourbon-Whisky gelagert wurden. Der Whisky nimmt während der Lagerung einen Teil dieser Aromen auf. Teilweise reift ein Whisky sogar in mehreren unterschiedlich vorgeprägten Fässern nacheinander. Diese Abfüllungen werden häufig als Triple Cask, Double Wood oder Whisky mit Finish bezeichnet. Es überrascht selbst Kenner immer wieder, welche verschiedenen Aromen sich durch das unterschiedliche Finishing bilden können. Darüber hinaus sind auch Single Cask- oder Cask Strength-Whisky eine spannende Ergänzung für jede Whiskysammlung.

Whiskys von kleinen und unbekannten Destillerien probieren

Sinnvoll ist es jedoch auch, weiter neugierig zu bleiben und neue Destillerien zu probieren. Gerade kleinere Abfüller erweitern das eigene Spektrum um Abfüllungen, die vom Massengeschmack abweichen und mutiger mit den Extremen spielen. In den letzten Jahren sind mehr und mehr Destillerien dazu übergegangen, jüngere Whiskys ohne Altersangabe auf den Markt zu bringen (so genannte No-Age-Statements, kurz NAS). Diese sind mindestens drei Jahre (häufiger 6-9 Jahre) gereift und müssen nicht schlechter sein. Für Sammler wird die Lage damit aber natürlich unübersichtlicher und viele der Abfüllungen unterscheiden sich nur in Nuancen. Gutes Beispiel hierfür ist der Talisker 10 Jahre und der Talisker Storm – beide sind gut, tragen aber eindeutig den gleichen markanten Stil der Insel-Destillerie.

Warum eine gute Whisky-Sammlung auch Flaschen aus Japan, Irland und den USA enthält

Neugierige Whisky-Einsteiger können ihren Horizont auch über die Landesgrenzen von Schottland hinaus erweitern: Auch im fernen Japan wird zum Beispiel sehr guter Whiskey gebrannt, mit irischem Whiskey oder amerikanischem Bourbon kommen weitere Erzeugnisse hinzu, die in einer anderen Tradition hergestellt werden. Auch sie sind einen Blick beziehungsweise Schluck wert.

Was waren eure ersten Schritte in die Welt des Whiskys? Welche Flaschen würdet ihr zum Einstieg empfehlen? Wir freuen uns auf eure Anregungen in den Kommentaren!

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