Whisky-Destillerien greifen gerne auf Legenden der Wikinger zurück – dabei haben die nie Whisky gebrannt (Foto: Dzianis Sukhavarau / Unsplash)
Whisky-Destillerien greifen gerne auf Legenden der Wikinger zurück – dabei haben die nie Whisky gebrannt (Foto: Dzianis Sukhavarau / Unsplash)

Es kommt mir vor wie gestern, dass wir den ersten Whisky von Wolfburn mit seinen salzig-rauchigen Aromen im Glas hatten. Und doch ist es schon wieder mehr als zwei Jahre her, dass das First General Release in unseren Nosing-Gläsern hin und herschwappte. Wolfburn Langskip heißt die jüngste Abfüllung: Ein 5 Jahre alter Single Malt, der ohne Age-Statement aber dafür mit erhöhter Drehzahl von 58 % daherkommt. Benannt ist er nach den traditionellen Langschiffen der Wikinger, den Langskips. Wir haben den neuen Wolfburn zu Wasser gelassen – macht der Langskip richtig Schub oder geht er sang und klanglos unter?

Fünf Jahre sind eine gute Zeit für einen Whisky: Die ersten rauen Gewässer sind überwinden, scharfe Noten werden abgebaut und langsam kommen die Aromen des Malts besser zum Tragen. Ab hier wird es nur besser! Zugleich steigen auch die Erwartungen: Wo der Erstling nur einen vorsichtigen Ausblick auf kommende Attraktionen bieten kann, erwartet man von einem 5-jährigen Single Malt schon eine klare Ansage in Sachen Whisky-Stil und Aromen.

Bourbon-Fässer aus den ersten Monaten der Produktion werden jetzt abgefüllt

Junge Destillerien wie Wolfburn segeln hart am Wind: Für den Langskip wurden Fässer von 2013, also aus den ersten sechs Monaten der Produktion abgefüllt. Hier gibt es keine Reserven nach oben, der enthaltene Whisky ist tatsächlich maximal fünf Jahre und ein paar Monate alt. Der Wolfburn Langskip reifte in First Fill Bourbon Barrels, die direkt aus den USA in den hohen Norden Schottlands geliefert wurden. Da Distillery Manager Shane Fraser erst seit 2014 auch leicht getorfte Gerste (10 ppm) bei Wolfburn einsetzt, kommt diese Abfüllung noch ‚unpeated‘ in die Flaschen.

Auch das Inaugural Release von Wolfburn war leicht rauchig – hier hatte Shane Fraser einen kleinen Trick angewandt und den Whisky in Ex-Quarter-Casks von Islay (vermutlich Laphroaig) gefüllt, die ihre torfigen Noten an den jungen Wolfburn weitergaben.

Ein Rudel Wölfe: Die Abfüllungen von Wolfburn bleiben dem Design treu (Foto: Wolfburn)
Ein Rudel Wölfe: Die Abfüllungen von Wolfburn bleiben dem Design treu (Foto: Wolfburn)

Warum steht nicht einfach Wolfburn 5 Jahre auf der Flasche?

Die ehrlichen Fakten des Whiskys – keine Kältefiltration, nicht gefärbt, hohe Alkoholstärke von 58 % – wollen nicht so ganz zum fehlenden Age-Statement passen. Nun ist es ohnehin etwas kurios die alten Wikinger zu bemühen und ihnen den Whisky aufs Langskip zu laden, wo doch in der Forschung allgemein bekannt ist, dass das Nordvolk niemals Schnaps gebrannt hat und sich stattdessen eher an Met und Ale erfrischte. Man hätte auch ganz einfach offen Wolfburn 5 Jahre auf die Flasche schreiben können und alles wäre klar gewesen.

Aber es stimmt vermutlich, was uns Alasdair Day (Isle of Raasay Distillery) im Interview vor kurzem erzählt hat: Junge Whiskys mit Age Statement sind schwieriger zu vermarkten. Vermutlich auch, weil beim Vergleich dann der Preis stärker in den Blick rückt. Gut 50-60 Euro kostet der Wolfburn Langskip nämlich und zieht im Preisvergleich mit vielen doppelt so alten Abfüllungen den Kürzeren.

Wir ziehen jetzt auch – nämlich das kurze Glas mit der bauchigen Form aus der Tasche. Zeit fürs Tasting!

Unser Tasting des Wolfburn Langskip

Wie riecht er?

Wer denkt, dass junge Whiskys immer nach Apfel, Vanille und Honig riechen, der sollte mal am Langskip schnuppern: Mit öliger Zwiebel und gedünstetem Gemüse eröffnet der Wolfburn-Whisky das Nosing überraschend pikant. Eine Spur Birne, etwas Vanillequark und gemahlene Mandeln sind zwar auch erkennbar – aber der Fokus liegt hier ganz klar auf den ernsten, herben Noten. Mineralische Noten erinnern an Felsen oder Kies, der Wolfburn Langskip wirkt trocken. Das junge Alter des Malts schimmert immer wieder durch den hellen Duft hindurch. Vom Charakter erinnert er etwas an den Springbank 10 Jahre, der ebenfalls etwas kantig und unbequem daherkommt.

Wie schmeckt er?

Im Tasting sorgt der Wolfburn Langskip zunächst für ein sehr volles und cremiges Mundgefühl. Von den Aromen tendiert er erneut eher in die ernste Richtung: Würzig und pfeffrig tritt der Neuling aus dem Norden auf. Getreide mischt sich mit Vanille, Holz und einer Spur Rauch. Der Abgang ist relativ scharf und betäubend, hier zeigt sich der erhöhte Alkoholgehalt besonders deutlich. Im Nachgeschmack ist das Holz dann wieder angenehm präsent, allerdings leider ohne Rauch und Torf. Das ist schade, denn diese Noten hätten dem Wolfburn Langskip sicher noch etwas mehr Charakter verliehen.

   Wolfburn Langskip bei Amazon bestellen…

Wolfburn Langskip
Gestaltung & Story75
Geruch72
Geschmack68
Preis-Leistung60
69
Gut
Fazit
Der Wolfburn Langskip hat gute Momente und ist im Duft sogar noch etwas überzeugender als im Geschmack. Alles in allem wirkt er aber noch nicht so richtig rund. Man kann es dem Malt natürlich nicht zum Vorwurf machen, dass er 'unpeated' ist. Aber etwas Rauch und Torf würden dem dümpelnden Wikingerboot-Whisky sicher gut tun, ihm mehr Kraft und Charakter verleihen. Für rund 50 Euro können Wolfburn-Fans zugreifen, alle anderen warten vielleicht lieber noch ein bisschen auf eine etwas reifere Abfüllung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*