Rollt wohl bald mit deutlichem Aufschlag in die EU: Amerikanischer Whiskey. (Foto: Malt Whisky)
Rollt wohl bald mit deutlichem Aufschlag in die EU: Amerikanischer Whiskey. (Foto: Malt Whisky)

Der Handelsstreit zwischen der Europäischen Union und den USA eskaliert weiter: Nachdem US-Präsident Trump Anfang Juni massive Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte aus der EU verhängt hatte, kam jetzt die Reaktion aus Brüssel: Ab Juli plant die EU eigene Strafzölle auf wichtige amerikanische Produkte. Neben Jeans und Motorrädern gehört auch amerikanischer Whiskey zu den Waren, die mit einem drastischen Zoll von 25 Prozent belegt werden sollen. Was bedeutet das für uns Bourbon-Genießer? Sollten wir uns jetzt noch bevorraten? Malt Whisky-Redakteur Samuel mit dem Versuch einer Einordnung.

Wie sicher ist es, dass die Zölle auf Whiskey in Kraft treten?

Wenn es im Zollstreit zwischen der EU und den USA nicht noch kurzfristig zu einer Lösung kommt, ist es so gut wie sicher, dass die Zölle tatsächlich ab Juli in Kraft treten werden. Jedes Jahr wird amerikanischer Whiskey im Wert von über von über 500 Millionen Euro in die EU importiert. Bourbon, Rye und Co. sind neben Stahlprodukten, Textilien und Agrargütern wie Cranberries, Erdnussbutter und Kidneybohnen eines der wichtigsten Importgüter aus den Vereinigten Staaten.

Warum überhaupt ein Zoll auf amerikanischen Whiskey?

Zum einen geht es der EU darum, die von europäischen Firmen erlittenen Verluste durch die amerikanischen Strafzölle auszugleichen. So sollen die neuen Zölle zunächst auf Produkte im Gegenwert von ca. 2,8 Milliarden Euro erhoben werden In dieser Liste steht, welche betroffen sind. Ganz am Ende der umfangreichen Tabelle: Bourbon Whiskey und andere Whiskys (hier sind vermutlich u.a. Rye oder Corn Whiskeys gemeint).

Doch es geht nicht nur um einen finanziellen Ausgleich. Die EU hat sich bewusst Produkte ausgesucht, die eine hohe Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Wenn Levis-Jeans teurer werden oder die Flasche Bourbon plötzlich deutlich mehr kostet, dann merken wir das im Alltag sofort. Die Produkte werden im Vergleich zu anderen unattraktiver und bedeutende amerikanische Marken werden von den Zöllen getroffen und voraussichtlich Umsatz einbüßen.

Was ebenfalls auffällt: Viele Produkte werden dort hergestellt, wo Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl besonders viele Stimmen erhalten hat. Im Bourbon-State Kentucky erhielt Trump über 62 % der Stimmen. Nicht ausgeschlossen, dass auch das für die EU eine Rolle gespielt hat.

Wie hoch soll der Zoll auf amerikanischen Whiskey ausfallen?

Der geplante Zoll ist einheitlich auf alle Produkte. Er wird also auch für Bourbon Whiskey und Rye Whiskey jeweils 25 Prozent betragen.

Wie viel teurer wird amerikanischer Whiskey jetzt?

Das ist schwer zu sagen. Bekannt ist bislang lediglich, dass der Zoll auf amerikanischen Whiskey voraussichtlich 25 Prozent betragen soll. Unklar ist, inwieweit die Zölle durch Hersteller und Handel an die Kunden weitergegeben werden.

Gut möglich, dass hier ein Ausgleich stattfindet, um psychologisch wichtige Preisgrenzen zu halten. So könnte Jim Beam beispielsweise auf etwas Gewinn verzichten und dafür den wichtigen White Label stabil bei etwa 10 Euro halten. Ähnlich Bourbon-Marken, die bei 20 Euro oder 30 Euro liegen und im direkten Wettbewerb zu anderen Whiskys etwa aus Schottland oder Irland stehen.

Hart treffen könnte es in jedem Fall günstige Whiskeys aus dem Discounter, die vor allem über den Preis verkauft werden. Hier können einige Euro Aufschlag schon dafür sorgen, dass das Produkt nicht mehr angeboten wird.

Und: Da die Steuer prozentual angesetzt wird, wird sie auch Premium-Bourbons deutlich teurer machen. Bisher waren die überwiegend sehr erschwinglich und günstiger als vergleichbare Single Malts aus Schottland. Durch die Zölle wird sich dieser Preisunterschied deutlich verringern – der Bourbon wird unattraktiver, der Scotch gewinnt hinzu.

Sollte ich mich mit Bourbon Whiskey bevorraten?

Aktuell ist davon auszugehen, dass die Strafzölle tatsächlich kommen werden. Und wer will schon darauf spekulieren, dass ein Hitzkopf wie Trump doch noch die Kurve kriegt und seine Stahlzölle zurückzieht? Aktuell ist Bourbon Whiskey noch günstig zu haben. Es könnte sich also definitiv lohnen, einige Lieblingsflaschen auf Lager zu legen. So günstig wie jetzt werden die Preise voraussichtlich ohnehin in absehbarer Zeit nicht mehr. Der Whiskey hält sich im geschlossenen Zustand über Jahre und wenn ab Juli an der Preisspirale gedreht wird, sitzt man entspannt mit dem Tumbler in der Hand auf dem Balkon und genießt einen leckeren Tropfen. Besonders lohnt es sich natürlich hochwertige Premium-Bourbons zu ordern, da diese von einem 25-prozentigen Zoll am stärksten betroffen sind und es vermutlich hier zu den höchsten Preissteigerungen kommen wird.

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2 Kommentare

  1. Trifft mich so gut wie gar nicht dieser Zollstreit mit dem Ami…im Glas hab ich nur Scotch, statt Jeans trage ich Trekking Weare und Harley Davidson ist absolut nicht meine Baustelle.
    Cranberrys und Kidneybohnen wären aus der Liste die zwei einzigsten Sachen die mich persönlich betreffen würden.
    Für Burbon und Rye Freaks wird’s halt marginal teurer,fällt aber im Preisunterschied zu Scotch kaum auf.

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