Die Einordung von Whisky fällt schwer, wenn man nicht weiß was im Glas ist. (Foto: Malt Whisky)
Die Einordung von Whisky fällt schwer, wenn man nicht weiß was im Glas ist. (Foto: Malt Whisky)

Einen Single Malt von einem Blend oder Bourbon zu unterscheiden ist leicht? „Ja, logisch.“ würden wohl die meisten Whisky-Genießer zunächst sagen. Dies ist soweit auch richtig, zumindest wenn man die jeweiligen Flaschen beim Tasting vor sich stehen hat. Doch wie sieht das bei einer blinden Verkostung aus? Das dachte sich auch Peter Moser von Fosm.de und lud zum Blind-Tasting ein. Verraten hat er vorher so gut wie nichts. Wir waren an der Seite von neun weiteren Whisky-Bloggern bei diesem Tasting der besonderen Art dabei.

Wie funktioniert ein Whisky-Blind-Tasting?

Das erklärte Ziel einer Blind-Verkostung ist es, einmal unvoreingenommen an einen Whisky heranzugehen. Denn die Marke und ihr Image, die Gestaltung der Flasche, die enthaltene Whisky-Sorte (also z.B. Scotch oder Bourbon), aber auch Alkoholgehalt und Lagerung beeinflussen unseren Eindruck unbewusst. Das merkt man besonders, wenn man einem Whisky ohne diese zusätzlichen Eindrücke verkostet: Es ist viel, viel schwerer ohne Informationen und man muss sich komplett aus die Informationen aus Nase, Mund und Augen verlassen.

Zehn Whisky-Blogger versuchten sich in der „blinden“ Verkostung

Peter von Friends of Single Malts (kurz FOSM) hat für sein letztes Blind Tasting mit dem Thema „Vertical“ drei Whiskys ausgesucht. Bekannt war lediglich, dass es sich um Whiskys einer Destillerie handelt, ansonsten wurden keine weiteren Infos gegeben.

Gleich zehn Whisky-Blogger bzw. Redakteure nahmen an dem Vertical Tasting teil. Großen Respekt an dieser Stelle an Peter, der alle Einreichungen sichten und sortieren musste. Zu den illustren Teilnehmern gehörten:

und natürlich wir mit unserem Malt Whisky Magazin. Und natürlich waren wir gespannt wie Bolle, wie wir abschneiden würden. Denn die Teilnahme an einem Blind-Tasting kann ja durchaus auch ein wenig blamabel sein, wenn man in die falsche Richtung riecht oder schmeckt und dann mit einem obskuren Tipp baden geht.

Drei Fragen als Hilfestellung beim Blind-Tasting

Folgende Fragen sollten die Teilnehmer als Leitfaden durch das Tasting führen:

  • Welcher Whisky gefällt euch am besten?
  • Aus welchem Land/Region/Destillerie stammen die Whiskys?
  • Welcher Whisky ist im Glas? (Typ, Stärke, Unterschiede zu den anderen)

Interessant ist, dass keine Tasting Notes gefragt waren. Aber sicher ist der Aufwand noch einmal um ein Vielfaches größer, wenn jeder noch ausgiebigste Geschmacksnotizen einreicht, die sich defakto ja auch schwer vergleichen lassen.

Was ist da nur drin im Glas? Malt Whisky-Redakteur Lukas weiß es auch nicht... (Foto: Malt Whisky)
Was ist da nur drin im Glas? Malt Whisky-Redakteur Lukas weiß es auch nicht… (Foto: Malt Whisky)

So gingen wir bei der Verkostung der unbekannten Whisky-Proben vor

Bei der Verkostung des ersten Samples merkten wir schnell, dass ein Blind Tasting um einiges schwieriger ist, als eine herkömmliche Geruchs- und Geschmacksprobe. Wir verkosten in Vergleichstests bei uns im Magazin und auf Alkoblog.de zwar auch „blind“, aber natürlich wissen wir, welche Flaschen wir vorher eingekauft haben. Wenn wir fünf Vodkas vergleichen, dann sind das zwar verschiedene Marken, aber die Sorte und der Preisbereich stehen doch fest.

Plötzlich waren wir uns gar nicht mehr so sicher, was das im Glas überhaupt ist: Es roch seltsam, nicht nach Scotch und es schmeckte auch nicht so. Der Unsicherheit folgte wildes Rätselraten, welches sich über die nächsten Proben fortsetzte. Wir stellten Tipps auf, überlegten hin und her und warfen sie mit dem nächsten Schluck schon wieder  über den Haufen.

Langsam tasteten wir uns an die Vermutung heran, dass es sich bei den drei Proben in Peters Vertical Tasting nicht um schottischen Whisky handelt. Nur was war es dann? Japanischen Whisky konnten wir ausschließen, dafür erschienen die Proben nicht fein und ausbalanciert genug. Es musste eine junge Destillerie sein, eine die viel mit Fässern experimentiert. Denn die Proben waren alle geschmacklich eher jung, dabei aber deutlich unterschiedlich und hatten verschiedenste Holzaromen. Unsere Wahl fiel auf die USA oder Kanada – was sich in der Auflösung als richtig herausstellen sollte.

Die drei Whiskys waren nämlich Koval Millet, Koval Bourbon und Koval Four Grain – gebrannt in der Koval-Destillerie in Chicago (USA).

Drei Whiskeys von Koval aus Chicago galt es im Blind-Tasting zu erkennen (Foto: Peter Moser / Fosm.de)
Drei Whiskeys von Koval aus Chicago galt es im Blind-Tasting zu erkennen (Foto: Peter Moser / Fosm.de)

Auflösung Frage 1: Welcher Whisky gefällt dir am besten?

Die erste Frage war noch ein leichter Auftakt, ging es doch lediglich darum seinen persönlichen Favoriten im Whisky-Trio zu identifizieren. Spannend ist dennoch, dass 8 von 10 der selbe Whisky am besten gefallen hat: Den Koval Four Grain. Das kann ein Zeichen für die Qualität dieses Whiskys sein oder reine Geschmacksache…uns persönlich hat der Koval Bourbon besser gefallen. Ziemlich unbeliebt war hingegen der Koval Millet, welcher keinen Liebhaber finden konnte. Auch wir fanden ihn vom Geschmack her zu jung und unrund.

Auflösung Frage 2: Welches Land/Region/Destillerie?

Weitaus mehr Reibung erzeugte da schon die nächste Frage, in welcher nach der Herkunft der verkosteten Whisky gefragt wurde. Wie schwer das sein kann, haben nicht nur wir im Tasting gemerkt. Nur je etwa die Hälfte der Probanden konnte den jeweiligen Whiskey jeweils korrekt der Sorte Bourbon/Rye/Sonstiges und somit gleichzeitig den USA zuordnen.

Die Schwierigkeit Scotch und Bourbon zu unterscheiden hängt auch damit zusammen, dass Scotch meistens in Ex-Bourbon-Casks gereift wird und somit auch einige Bourbon-Aromen aufweisen kann.  Man war sich schnell nicht mehr so sicher, ist das ein amerikanischer Whisky oder nur ein in einem frischen Bourbon-Cask gelagerte Single Malt? So waren einige der Verkoster sicher schon auf der richtigen Spur und schmeckten typische Bourbon oder American Whiskey-Aromen heraus, konnten sich aber nicht ganz zum richtigen Tipp durchringen.

Wir lagen hier mit unserer Vermutung, dass es sich nicht um Scotch handelt, glücklicherweise richtig.

Auflösung Frage 3: Welcher Whisky ist im Glas?

Die spannendste Frage und gleichzeitig die mit Sicherheit schwerste war: Was ist das für ein Whisky? Schließlich galt es hier nicht nur Land und Region richtig einzuschätzen, sondern auch den exakten Hersteller unter den vielen hundert weltweit aktiven Destillerien zu identifizieren. Fast unmöglich, wenn man die entsprechenden Whiskys – wie in unserem Fall Koval – noch nie getrunken hat.

Einer hat es dennoch geschafft: Riccardo von Dramned! lag mit seinem Tipp auf der Koval-Destillerie richtig und war der (ungekrönte) Sieger dieser Tasting-Challenge.  Erwähnen muss man allerdings, dass viele der anderen Verkoster zwar die Destillerie nicht erkannt haben, aber dennoch auf der richtigen Fährte waren: So haben die meisten Taster irgendwie gespürt, dass es sich bei den Proben wahrscheinlich nicht um Single Malt Whiskys handelt. Der ungewöhnliche und experimentelle Charakter der Whiskys fiel auf.

Unser Fazit zum Whisky-Blind-Tasting von Friends of Single Malts

Die blinde Verkostung von Whiskys ist in jedem Fall eine spannende Erfahrung, welche die eigene Wahrnehmung schult und einem die Spirituose aus einer anderen Perspektive und ganz unvoreingenommen näher bringt. Darüber hinaus hat uns das Blind-Tasting von Peter riesigen Spaß gemacht. Einfach mal blind im Nebel zu stochern, nur der Nase nach zu gehen und sich dann der Herausforderung zu stellen, sich auf einen Tipp festzulegen. Dieses Mal ist es für uns denke ich ganz gut gegangen, aber da war wie immer auch etwas Glück dabei. Etwas peinlich wäre in jedem Fall gewesen, wenn wir einen Whisky nicht erkannt hätten, obwohl wir ihn vor kurzem im Glas gehabt und verkostet haben. Unser Fazit: Zum Selbstversuch ist ein Blind Tasting wie das von Peter definitiv zu empfehlen!

Die vollständige Auswertungen der Notizen aller Teilnehmer gibt es bei FOSM.de

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