Ein Whiskyfass zu kaufen ist eine interessante Idee. Dabei können alte leere Holzfässer, aber auch mit Whisky befüllte Fässer gekauft werden. (Foto: Malt Whisky)

Für viele Whisky-Genießer ist es ein großer Traum: Ein Mal ein eigenes Whiskyfass kaufen. Das ist leicht, solange es sich dabei um leere Fässer handelt. Denn leere gebrauchte Holzfässer fallen bei der Lagerung von Whisky, Cognac & Co. sowie der Wein-Herstellung sehr häufig an und sind daher relativ erschwinglich. Die Königsdisziplin stellt jedoch der Kauf von vollen Whiskyfässern dar, welche man direkt von der Destillerie erwirbt und in den Warehouses vor Ort lagern lässt. Nach 10 Jahren des bangen Wartens hält man dann Flaschen seiner ganz persönlichen Whisky-Abfüllung in den Händen. In diesem Artikel erklären wir euch, wie der Kauf eines Whiskyfasses funktioniert, ob ein Fass auch als Investment taugt und worauf dabei geachtet werden sollte.

Welche Holzfässer werden häufig verwendet?

Für die Lagerung und Reifung von Spirituosen und Wein werden traditionell Holzfässer eingesetzt. Bei der Lagerung von Scotch sind dies in der Regel bereits verwendete American Standard Barrel (ASB) aus der Bourbon-Herstellung, welche zu Hogshead-Fässern mit 225 bis 250 Litern umgebaut werden. Bei der Lagerung von Wein kommen häufig Barriques zum Einsatz, welche ein Volumen von 225 Litern aufweisen.

Bei der Herstellung von schottischem Whisky werden hauptsächlich Ex-Bourbon-Barrels verwendet. (Foto: Malt Whisky)
Bei der Herstellung von schottischem Whisky werden hauptsächlich Ex-Bourbon-Barrels verwendet. (Foto: Malt Whisky)

Da Eichenholz sehr langlebig ist und angenehme Aromen an die Spirituose oder den Wein abgibt, wird fast ausschließlich dieses Holz für die Herstellung von Fässern verwendet. Eichenholzfässer können bei guter Überarbeitung und Pflege mehrmals, teilweise sogar über mehrere Jahrzehnte verwendet werden. Irgendwann ist jedoch auch das beste Holz erschöpft und gibt nur noch wenig Aromen sowie Farbe ab. Man kann es sich ein bisschen wie bei einem Teebeutel vorstellen, der auch bei jedem Aufguss weniger Geschmack zu bieten hat. Ist das Holzfass „verbraucht“ kann man es nicht mehr sinnvoll für die Reifung verwenden.

Gebrauchte alte Whisky- und Weinfässer kaufen

Viele Eichenholzfässer, die nicht mehr weiter für die Lagerung und Reifung von Spirituosen oder Wein zu gebrauchen sind, werden Jahr für Jahr von den Destillerien ausrangiert. Sie werden verkauft und als Regentonne oder schickes Möbel weiterverwendet oder im schlimmsten (und häufigsten) Fall gehäckselt und kompostiert. Da alte Holzfässer so häufig sind, ist auch das Angebot entsprechend groß. Bei Ebay oder Amazon gibt es eine große Auswahl an dekorativen Holzfässern sowie Gartenmöbeln aus Whisky- und Weinfässern, die dort vergleichsweise günstig vertrieben werden.

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Mit Whiskyfässern können die Schotten handeln.... (Foto: Malt Whisky)
Mit Whiskyfässern können die Schotten handeln…. (Foto: Malt Whisky)

Ein volles Whiskyfass bei einer Destillerie kaufen

Der Kauf eines mit Whisky befüllten Fasses ist im Vergleich zum leeren Fass ein spannenderes Abenteuer. Denn üblicherweise werden von den Destillerien ausschließlich frisch befüllte Whiskyfässer verkauft. Das bedeutet gleichzeitig, dass man die Entwicklung seines Whiskys über Jahre verfolgen kann und das Fass immer wieder im Warehouse besucht. Es bedeutet aber auch, dass man bis zu 10 Jahre auf die Abfüllung seines eigenen Whiskys warten muss.

Tatsächlich sind die wenigsten Destillerien auf den Privatverkauf von Whiskyfässern eingerichtet. Die meisten großen Hersteller scheuen wohl einerseits den Aufwand oder wollen den Platz im Warehouse lieber für ihre eigenen Whiskys nutzen. Wie die Beispiele der neuen Islay-Destillerie Ardnahoe sowie Arran zeigen, sind es häufiger die jungen und neu gegründeten Whisky-Destillerien, welche Whiskygenießern die Möglichkeit eines eigenen Whiskyfasses eröffnen. Es gibt allerdings auch einige deutsche Destillerien, welche Whiskyfässer zum Kauf anbieten.

Warum verkaufen Destillerien volle Whiskyfässer?

Der Grund warum Whisky-Destillerien volle Whiskyfässer auch an Privatpersonen verkaufen, ist vor allen Dingen finanzieller Natur. Die Gründung einer Destillerie ist teuer. Gebäude müssen gebaut oder erneuert, die Brenntechnik repariert oder neu beschafft werden und auch die Rohstoffe sowie Holzfässer für die ersten Jahre verschlingen große Summen. Da Whisky aber frühestens nach drei Jahren als Whisky verkauft werden kann und darf, ist eine Whisky-Destillerie in den ersten drei Jahren eine große Investition und wirft kaum etwas ab. Der Verkauf eines Whiskyfasses an Whisky-Fans spült also direkt frisches Geld in die Kassen der Destillerie und hilft diese Durststrecke zu überbrücken. Gleichzeitig steigert der Verkauf von Whiskyfässern natürlich auch den Bekanntheitsgrad der Destillerie und ist zum Teil eine wirksame PR-Maßnahme.

Das eigene Whiskyfass lagert nach dem Kauf gemeinsam mit den anderen Whiskyfässern in den Warehouses der Destillerie. (Foto: Malt Whisky)
Das eigene Whiskyfass lagert nach dem Kauf gemeinsam mit den anderen Whiskyfässern in den Warehouses der Destillerie. (Foto: Malt Whisky)

Whiskyfass kaufen – Wie funktioniert das?

Die Abwicklung des Whiskyfass-Kaufes ist relativ einfach und wird von den Destillerien professionell organisiert. Je nach Hersteller weichen die Bedingungen sowie die Kosten ab, so dass sich ein Vergleich lohnen kann. Möglicherweise hat man jedoch auch schon einen Favoriten oder Whisky-Stil ins Auge gefasst, dann fällt die Entscheidung natürlich leichter.

1. Auswahl des Whiskyfasses

Die Eigenschaften des eingefüllten Whiskys (zum Beispiel Alkoholgehalt und PPM) werden in der Regel von der Destillerie vorgegeben. So werden die Fässer zum Beispiel bei Ardnahoe mit 63,5 % und sowie mit dem Standard peated spirit befüllt. Es werden ausschließlich Bourbon-Barrels mit einem Volumen von 200 Bulk-Litres (ca. 280 Liter) angeboten, welche im Besitz der Destillerie verbleiben.

Beim Fass-Verkauf von Arran kann zwischen first fill Ex-Bourbon-Casks  mit 200 Bulk-Litres und first fill Ex-Sherry-Hogshead-Fässern mit 250 Bulk-Liters (ca. 363 Liter) gewählt werden, wobei das Sherryfass etwas teurer als das Bourbonfass ist. Teilweise sind auch Aged Casks sowie second fill Casks erhältlich.

2. Die Lagerung des Whiskyfasses

Nach dem Kauf und der Abfüllung des Whiskys wird das Fass mit den anderen Fässern der Destillerie in den Warehouses gelagert. Im Kaufpreis inbegriffen sind dabei normalerweise mindestens 10 Jahre Lagerung sowie die Versicherung des Fasses. Wenn dem Whiskyfass also etwas zustoßen sollte oder es Leck schlägt, wäre dies versichert. Während der Lagerzeit kann man sich immer wieder Samples aus dem Fass ziehen lassen (welches aber ebenfalls kostenpflichtig ist) oder seinen Whisky vor Ort besuchen. Nach Ablauf der 10 Jahre lässt man seinen Whisky entweder abfüllen oder kann weitere Lagerjahre zusätzlich erwerben, wenn man dem Whisky noch ein paar Jahre geben möchte. Auch eine frühere Abfüllung ist meistens möglich, wird aber nicht angeraten. Bei Ardnahoe ist eine Abfüllung zum Beispiel auch erst frühestens nach 8 Jahren möglich.

3. Abfüllung des Whiskys

Wenn nach langen Jahren des Wartens der Whisky endlich „reif“ ist, geht es an die Abfüllung. Je nachdem, ob die Destillerie über eine eigene Abfüllanlage verfügt, kann der Whisky vor Ort in die Flaschen gebracht oder muss in einem externen Betrieb verarbeitet werden. Bei der Auswahl der Möglichkeiten kann man sich von der Destillerie beraten lassen, die verständlicherweise kompetente Ansprechpartner an der Hand haben. Die Abfüllung des Whiskys ist entweder bereits beim Kauf des Whiskyfasses inklusive und einkalkuliert oder ist separat zu beauftragen und abzurechnen.

Bei der Abfüllung des Whiskys kann man aber auch darüber hinaus mitreden. So kann über die abgefüllte Stärke entschieden werden. Diese ist entweder frei wählbar (wobei 40 % das Minimum) oder es werden verschiedenen Optionen wie 46% oder Cask Strength vorgegeben. Auch Spezifikationen wie chill filtration oder das Färben des Whiskys können individuell entschieden werden oder sind ausgeschlossen.

Je nach Größe des Whiskyfasses kommen selbst nach Abzug des Angel’s Share nach 10 Jahren noch ziemlich viele Flaschen Whisky zusammen, die abgefüllt werden können. Bei Arran geht man bei einem Ex-Sherry-Cask nach 10 Jahren von etwa 360 Flaschen Whisky (á 0,7 Liter) aus. Genug also, um Freunde, Verwandte und Bekannte mit seinem eigenen Whisky zu beglücken.

4. Die Steuern und die Ausfuhr des Whiskys

Nach den langen Jahren des Wartens möchte man seinen guten Whisky nun wahrscheinlich möglichst schnell „nach Hause“ bringen. Doch natürlich verlangt auch der Staat in Form von Steuern noch seinen Anteil am Whisky. Die Steuern sind gerade in UK nicht ohne und machen den Spaß erst so richtig teuer. Aktuell werden im Vereinigten Königreich 28,74 Pfund Alkoholsteuer pro Liter reinem Alkohol fällig. In Deutschland sind die Steuern auf Alkohol mit 1.303 Euro pro reinem Hektoliter Alkohol sowie die Mehrwertsteuer (19 %) glücklicherweise geringer. Sie fallen aber dennoch immer noch stark in Gewicht.  Insgesamt machen die Steuern den größten Anteil beim Kauf eines Whiskyfasses aus. Die Einfuhr des Whiskys nach Deutschland muss zuvor beim Zoll angemeldet werden.

Die Preise beim Kauf eines Whiskyfasses variieren von Destillerie zu Destillerie. Ein großer Teil der Kosten entsteht durch die Steuern. (Foto: Malt Whisky)
Die Preise beim Kauf eines Whiskyfasses variieren von Destillerie zu Destillerie. Ein großer Teil der Kosten entsteht durch die Steuern. (Foto: Malt Whisky)

Wie viel kostet der Kauf eines Whiskyfasses insgesamt?

Beim Kauf eines Whiskyfasses kommen vom Holzfass, dem eingefüllten Whisky über die Lagerzeit und Versicherung sowie die Abfüllung und natürlich die Steuern einige Positionen zusammen. Möchte man die Flaschen nach Deutschland bringen kommen zudem noch weitere Transportkosten dazu.

Grundsätzlich unterscheiden sich je nach Destillerie die Kosten für ein eigenes Whiskyfass, in den Berechnungsbeispielen der Destillerien von Käufern in Großbritannien ausgegangen wird. Bei Ardnahoe kostet das volle Whiskyfass-Programm derzeit 7.000 Pfund (ca. 7.800 Euro). Ein Ex-Sherryfass von Arran schlägt mit rund 8.740 Pfund zu Buche (ca. 9.747 Euro), was einem Preis von 24,28 Pfund (ca. 27 Euro) pro Flasche entspricht. Die Beispiel-Rechnungen sind dabei jeweils für britische Kunde erstellt. Für Deutsche Käufer ergeben sich wegen der etwas niedrigeren Steuern beim Direkt-Import nach Deutschland voraussichtlich geringere Kosten. Hinzu kommt allerdings der Aufwand für den Transport.

Lohnt sich der Kauf eines Whiskyfasses als Investment?

Häufig wird in Whiskyforen und auf Internetseiten davon gesprochen, dass der Kauf eines Whiskyfasses ein gutes Investment wäre. In jedem Fall ist es ein sehr langwieriges Investment. Da man den Preis für das Whiskyfass und den Whisky direkt bezahlt, aber 10 Jahre warten muss, bis das Investment aufgeht und man die Abfüllung in den Händen hält. Das sind 10 Jahre in denen man über das Geld nicht verfügen kann und keine Dividende darauf erhält.

In der Zwischenzeit kann viel passieren. Whisky kann beispielsweise nicht mehr im Trend liegen und die Preise am Boden liegen. Überhaupt wird es einem als kleiner Whisky-Investor schwer fallen seinen Whisky an den Mann oder die Frau zu bringen. Wer kauft schon einen Single Cask Whisky auf Verdacht von einem unbekannten unabhängigen Abfüller? Man wird also ganz schön rudern müssen, um seine über 300 Whisky-Flaschen gewinnbringend wieder los zu werden und einen guten Schnitt zu machen. Es gibt also wohl einfachere und sicherere Investments als eigene Whiskyfässer zu kaufen.

Der Kauf eines eigenen Whiskyfasses sollte daher auch eher als ein aufregendes Erlebnis und eine interessante Erfahrung gesehen werden, an dem man als Whisky-Fan allein oder in einer Gruppe viel Freude haben kann. Über Jahre kann man den Whisky beim Reifen beobachten und ihn nach 10 Jahren schließlich in den Händen halten. Dabei kommt man den Abläufen in der Whisky-Industrie näher als es einem sonst möglich wäre, auch wenn man leider nicht direkt an der Produktion seines eigenen Whiskys mitwirken kann.

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