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Bar auf Kralle: Suntory Toki im Test (Foto: Malt Whisky)
  • Japanischer Whisky

Ein Blend für Japans Whisky-Krise: Suntory Toki im Test

  • 19. Juni 2018
  • 3 Minuten Lesezeit

Wenn meine kleine Tochter ein Essen oder ein Getränk besonders mag, dann ruft sie laut “Mehr! Mehr!”. So lange bis alles weggefuttert ist und ich ihr verkünden muss: “Alle! Alle!” So ähnlich läuft es beim japanischen Whisky im Moment auch: Die Genießer weltweit schreien “Mehr! Mehr!” und die Japaner erwidern mit gebeugtem Haupt “Alle. Leider alle!”. Denn den Brennern in Nippon gehen die reifen Whisky aus…

Gerade erst musste Destillerie-Riese Suntory verkünden, dass ab September kein Hibiki 17 Jahre mehr angeboten werden kann. Die Abfüllung zählt zu den Flaggschiffen unter den japanischen Premium-Blends. So etwas nimmt man nicht freiwillig aus dem Sortiment. Und nicht nur das: Auch der wesentlich jüngere Hakushu 12 Jahre Single Malt wird eingestellt. Letzteres zeigt, wie ernst die Lage in den Lagerhäusern sein muss. Man stelle sich nur mal vor, dass Glenfiddich seinen allgegenwärtigen 12-jährigen Single Malt aus Knappheit einstellen müsste…

Bye, bye Hakushu! 12 Jahre, 18 Jahre und 25 Jahre sind praktisch nicht mehr erhältlich (Foto: Malt Whisky)
Bye, bye Hakushu! 12 Jahre, 18 Jahre und 25 Jahre sind praktisch nicht mehr erhältlich (Foto: Malt Whisky)

Die Japaner wurden vom Whisky-Boom überrascht

Spätestens seit 2014 sind japanische Blends und Malts in aller Munde. Als Jim Murray in seiner Whisky Bible einen Yamazaki Single Malt Sherry Cask 2013 zum besten Whisky der Welt kürte (Malt Whisky berichtete), löste er einen Run auf die Destillate aus Fernost aus, der bis heute anhält. Die Preise schnellten nach oben, ältere japanische Single Malts wurden schnell rar und teuer.

Selbst große Destillerien wie Yamazaki, Hakushu oder Yoichi haben diesen Boom nicht vorhergesehen. Suntory wurde ebenso wie Nikka eiskalt erwischt. Und was hätten sie auch tun sollen: Selbst wenn im Jahr 2014 die Produktion komplett hochgefahren worden wäre, dann wären diese Fässer heute gerade einmal 4 Jahre alt. Genug um sich Whisky zu nennen, zu wenig für einen vollendeten Genuss.

Den japanischen Brennereien gehen die alten Whiskys aus: Hier das Warehouse von Hakushu in den japanischen Alpen (Foto: Malt Whisky)
Den japanischen Brennereien gehen die alten Whiskys aus: Hier das Warehouse von Hakushu in den japanischen Alpen (Foto: Malt Whisky)

Der Suntory Toki ist ein Whisky für die Krise

Unter diesen Vorzeichen ist auch unser heutiger Testkandidat Suntory Toki zu sehen. Es ist ja nicht so, dass die Japaner in der aktuellen Lage heiß darauf wären, ihre raren Single Malts in einen Blend zu mischen. Aber es ist vermutlich ihre einzige Möglichkeit, um mit einem bezahlbaren Produkt im Markt zu bleiben.

Servierempfehlung für den Toki: Als Highball mit Eis - der beliebteste Whisky-Drink Japans (Foto: Beam Suntory)
Servierempfehlung für den Toki: Als Highball mit Eis – der beliebteste Whisky-Drink Japans (Foto: Beam Suntory)

Der Suntory Toki besteht aus Malt Whiskys von Hakushu und (vermutlich zu deutlich geringeren Teilen) aus Yamazaki, die mit Grain Whisky aus der Chita Distillery gemischt werden. Über das Alter ist nichts bekannt und so kann man davon ausgehen, dass der Toki eher aus jüngeren Destillaten kreiert wurde. Grain Whisky ist ohnehin dankbar, denn er fließt in großen Mengen aus der Säulendestillationsanlage, die anders als die Pot Stills kontinuierlich betrieben werden kann.

Nun spricht natürlich nichts gegen einen guten Blend. Zumal die Japaner in der Vergangenheit mit eben solchen Abfüllungen wie der Hibiki-Serie oder dem Nikka from the barrel gezeigt haben, dass sie in dieser Gattung zur Höchstform auflaufen. Umso gespannter sind wir, was Suntory mit dem Toki in die markante rechteckige Flasche gebracht hat. Wie gut ist der Krisen-Whisky?

Unser Tasting des Suntory Toki

Wie riecht er?

Ein frischer und junger Auftakt. Wie ein Spaziergang durch ein Feld voller Blüten. Grasige Noten, die von Getreide abgelöst werden. Erinnert an helles Knäckebrot (Wasa Mjölk) und Haferflocken. Wird der Toki zum Breakfast Blend? Er bleibt jedenfalls ernst genug, um trotz seines milden Duftes nicht völlig ins Süßliche abzudriften. Hinten etwas Zitronenschale und eine Spur New Make. Direkt nach dem Einschenken ist der Alkohol zu riechen, verfliegt dann aber und überlässt das Feld den anderen Aromen.

Wie schmeckt er?

Das Getreide steht auch hier im Mittelpunkt, wir schmecken Haferflocken und Knäckebrot. Die anderen Aromen sind wie Kornkreise drumherum angeordnet und ergänzen sich gut: Süße Vanille, saftige Birne, bittere Zitronenschale. Ein milder und dennoch nicht zu süßer Blend, der sein junges Alter nicht verbirgt. Im Abgang kommt der Alkohol leicht bitter durch. Nicht so, dass es den Spaß verderben würde, aber doch deutlich erkennbar.

Suntory Toki Blended Whisky
Fazit
Der Suntory Toki ist ein milder und harmonischer Blend mit ausgeprägten Getreidenoten. Sein Aufbau ist strukturiert, aber besonders tief oder vielschichtig sind die Aromen nicht. Das junge Alter macht sich darüber hinaus auch in einer leichten Bitterkeit im Abgang bemerkbar. Die ist nicht übermäßig störend, unterscheidet den Toki aber von (teureren) japanischen Whiskys mit höherem Alter.
Gestaltung & Story
80
Geruch
72
Geschmack
70
Preis-Leistung
70
73
Gelungen

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Letzte Aktualisierung am 24.01.2021 um 12:36 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

Lukas
Lukas

Für Malt Whisky bin ich immer auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen. Ein guter Whisky fordert mich im Tasting, er überrascht mich mit spannenden Aromen. Besonders mag ich gut erzählte Stories über Destillerien, ihre Gründer und die Macher der Malts – und erzähle gerne selbst welche.

Mehr zu diesen Themen erfahren:
  • Whisky-Test
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2 Kommentare
  1. Avatar TomiNara sagt:
    9. August 2019 um 19:38 Uhr

    Trinke ich gerade. Gehört zu meinen Lieblingen unter den günstigen Varianten. Kann ich nur empfehlen.

    Antworten
    1. Avatar Christian sagt:
      28. Dezember 2020 um 15:20 Uhr

      Ich schicke voraus, dass ich mich bei Whisky auf Single Malt beschränke und kein Kenner von Blends bin. Und selbstverständlich ist alles Geschmacksache. Aber nachdem ich den Suntory Toki verkostet habe, würde ich damit höchstens einer kranken Kuh den Bauch einreiben. Trinken würde ich ihn nicht freiwillig.

      Antworten

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