Grain Whisky kann aus vielen verschiedenen Getreiden hergestellt werden. (Foto: Malt Whisky)
Grain Whisky kann aus vielen verschiedenen Getreiden hergestellt werden. (Foto: Malt Whisky)

Grain Whisky wird mitunter so behandelt, als wäre er der schmutzige kleine Bruder des Malt Whiskys: Als Füllmittel sorgen die Grains dafür, dass Scotch Blends schön billig bleiben und fallen im besten Fall nicht groß auf. Doch dieses Bild hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Selbstbewusst bringen etablierte Destillerien neue Single Grain-Abfüllungen heraus und platzieren sie als leichte Alternative zu Malt Whiskys. Der Grain wird nicht mehr nur gemischt und versteckt, sondern pur aus dem Nosing-Glas genossen. Grund genug, sich genauer mit Herstellung und Besonderheiten des Grain Whiskys zu beschäftigen und auch herauszustellen, wo wichtige Unterschiede zu Malt Whiskys liegen.

Grain Whisky besteht aus verschiedenen Getreidesorten

Wer die Zutaten für Whisky in den Blick nimmt, kommt nicht ohne einen Blick in die Geschichte aus: Denn Whisky bzw. Whiskey wurde vermutlich erstmals im 15. Jahrhundert in Schottland und Irland gebrannt. Die erste urkundliche Erwähnung ist datiert auf das Jahr 1494.

In der Entstehungszeit dieser ersten Whiskys macht sich noch kein Schotte oder Ire einen Gedanken darüber, ob er nun gerade Malt Whisky oder Grain Whisky erzeugt oder trinkt. Gebrannt wurde damals zum einen, um die Ernte in flüssiger Form haltbar zu machen, aber auch weil man den Rausch schätzte. Leben und Arbeit waren hart und der Whisky half, die Mühen des Alltags erträglicher zu machen.

Whisky wurde aus dem Getreide gebrannt, welches in großem Überfluss vorhanden waren: Robuster Gerste! In gemälztem Zustand eignet sie sich ideal zum Brennen von Malt Whisky.

Im Gegensatz zu Malt Whiskys werden Grain Whiskys aus allen möglichen Getreidesorten hergestellt. Besonders häufig sind dies Weizen oder Mais (beide günstiger als Gerste), aber auch Hafer und Roggen können eingesetzt werden. Fast immer kommt noch ein kleiner Anteil (z.B. 5 %) gemälzter Gerste hinzu, die wichtige Enzyme enthält und so die Gärung unterstützt. Denn die natürlichen Enzyme wandeln die Stärke in den Getreidekörnern in Zucker um. Die genaue Getreidemischung in Grain Whiskys bleibt fast immer ein Geheimnis des Herstellers. Teilweise werden aber die enthaltenen Sorten genannt.

Die Mischung des Getreides hat einen Einfluss auf den Geschmack des Grain Whiskys, der jedoch aufgrund der unterschiedlichen Herstellungsweise geringer ausfällt als bei Malt Whiskys.

Grain Whisky wird nicht in Brennblasen hergestellt

Neben den Getreiden ist es vor allem das Brennverfahren, welches den größten Unterschied zwischen Malt Whisky und Grain Whisky ausmacht. Für die Herstellung von Grain Whisky kommt eine kontinuierliche Säulendestillationsanlage (auch column still, patent still oder coffey still genannt) zum Einsatz. Mit ihr kann schneller eine größere Menge Alkohol produziert werden. Im Vergleich zum Malt Whisky, welcher ausschließlich in kupfernen Brennblasen (pot stills) gebrannt wird, ist die Herstellung von Grain Whisky in diesen riesigen Brennanlagen deutlich effizienter. Große Anlagen sind dabei mehrere Stockwerke hoch, wie man gut an diesem Modell aus der japanischen Nikka-Destillerie sehen kann:

Modell einer großen Column Still (Säulenbrennanlage) bei Nikka in Japan. (Foto: Malt Whisky)
Modell einer großen Column Still (Säulenbrennanlage) bei Nikka in Japan. (Foto: Malt Whisky)

Column Stills bestehen aus zwei miteinander verbundenen Säulen (z.B. aus Kupfer oder Edelstahl). Die erste Säule wird als Analyzer bezeichnet, in welchem heißer Dampf durch Lochbleche und verschiedene Ebenen aufsteigt und der kühlere Wash absteigt. Die alkoholischen Dämpfe steigen nach oben auf und werden so in die zweite Säule, den sogenannten Rectifier überführt, wo sie kondensieren.

In diesem kontiniuerlichen Brennverfahren zirkulieren die alkoholischen Dämpfe, bis sie die gewünschte alkoholische Stärke errreicht ist. Das Maximum liegt dabei bei einem Alkoholgehalt von bis zu 96 %. Unerwünschte Fuselalkohole kondensieren vor dem gewünschten Ethanol und können so einfacher als beim Pot Still-Verfahren abgetrennt werden. Da kontinuierlich und in höherer Stärke gebrannt werden kann, ist die Herstellung von Whisky in Column Stills deutlich preisgünstiger.

Brände aus kontinuierlichen Brennverfahren sind in der Regel reiner und dadurch leichter im Körper und weniger prägnant im Geschmack. Im Vergleich zu in Pot Stills gebranntem Whisky sind Grain Whiskys aus Column Stills geschmacklich deutlich näher am Neutralalkohol. Auch nach der Lagerung in Eichenholzfässern sind Grain Whiskys daher weniger charakterstark als Malts. Das macht sie zum idealen Begleiter in geblendeten Whiskys.

Grain Whisky steckt in fast allen Scotch Blends

Ein Scotch Blend ist eine Mischung aus verschiedenen Single Malts und Grain Whisky. Der Geschmack des Blends wird dabei fast ausschließlich von den Malts geprägt. Die Grains sind mehr oder weniger günstige Zugabe und sorgen allenfalls dafür, dass der Geschmack etwas leichter und milder (man könnte auch sagen unscheinbarer) wird.

Als Faustregel kann man sagen: Je günstiger ein Blend ist, umso mehr Grain Whisky ist in der Mischung enthalten. Der genaue Grain-Anteil im Blend wird von den Herstellern nicht verraten. Überhaupt wird lieber über die vielen Malts geredet, die den Blend so schön vielschichtig und interessant machen. Der Grain wird meistens nicht mal erwähnt. Bei günstigen Discounter-Blends kann man von einem Grain-Anteil von bis zu 80 % und mehr ausgehen. Selbst höherwertige Blends bestehen teilweise noch zu 50 % aus Grain Whisky, sind aber besser abgestimmt und enthalten eben auch alte und geschmacksintensive Malt Whiskys.

Dennoch muss auch der Grain Whisky in Scotch Blends für mindestens drei Jahre in Eichenholzfässern gelagert werden, um sich Whisky nennen zu dürfen. Bei einer höheren Altersangabe von zehn oder zwölf Jahren ist auch der Grain Whisky für diese Zeit im Fass gelagert worden.

Die entscheidende Frage ist natürlich, was mit dem Grain im Fass passiert. Er interagiert natürlich mit dem Holz, gewinnt ebenso wie Malt Whiskys Aromen hinzu (additive Reifung), verliert unerwünschte Noten (subtraktive Reifung), aber erreicht dabei dennoch nie die Tiefe und Komplexität eines Malt Whiskys. Das Destillat aus dem Säulenbrennverfahren hat ihn der Aromen beraubt, die einen in der langsameren Brennblase mit viel Kupferkontakt hergestellten Malt Whisky prägen.

Und nicht zuletzt ist davon auszugehen, dass die meisten Grains nicht unbedingt in frischen oder besonders edlen Holzfässern reifen. Da Casks und Barrels in Schottland unbegrenzt häufig verwendet werden können, dürften die viele Grains in ziemlich ausgelutschten Fässern ihre Jahre fristen, bevor sie den Weg in den Blend finden. Dies gilt natürlich vor allem, wenn es sich um günstige Marken handelt.

Blended Scotch Whisky vs. Blended Malt
Nicht zu verwechseln sind Scotch Blends übrigens mit Blended Malts, welche aus Single Malts unterschiedlicher Destillerien komponiert werden.

Viele Grain-Whisky-Marken sind unbekannt

Grain-Whisky-Destillerien produzieren hauptsächlich für Blends und brennen ihren Whisky weitestgehend „im Verborgenen“. Daher sind nur in wenigen Einzelfällen Abfüllungen aus diesen Destillerien als Single Grain Whiskys erhältlich und die Whisky-Marken bei durchschnittlichen Whisky-Fans im Vergleich zu Malt-Destillerien weitestgehend unbekannt. Lediglich die unabhängige Destillerie Loch Lomond bringt in größerer Zahl regelmässig eigene Whiskys heraus.

Den etwas über 100 aktiven schottischen Whisky-Brennereien stehen übrigens aktuell nur 7 Grain-Destillerien gegenüber. Da insbesondere für Blends (die bei weitem meistverkaufte Whisky-Sorte) große Mengen Grain-Whisky benötigt werden, kann man sich vorstellen, wie enorm der Ausstoß dieser industriellen Destillerien ist. In ihnen entstehen jedes Jahr Millionen von Litern für wichtige Scotch Blends wie Johnnie Walker, Chivas Regal, Famous Grouse oder  Ballantine’s. Sie befinden sich in den Händen von großen Spirituosen-Konzernen (die meist auch Malt-Destillerien besitzen).

Folgende Grain-Destillerien sind derzeit in Schottland aktiv:

    • Cameronbridge (Diageo)
    • Girvan (William Grants & Sons)
    • Glen Turner (La Martiniquaise)
    • Invergordon (Emperador Inc.)
    • Loch Lomond (Loch Lomond Distillers)
    • North British (Diageo / The Edrington Group)
    • Strathclyde (Pernod Ricard)

Grain Whisky wird überall auf der Welt hergestellt

Bei Grain Whisky denken viele zuerst an die schon erwähnten Scotch Blends. Doch es gibt mittlerweile eine ganze Reihe von Herstellern, die sich darum bemühen, das schlechte Image des Grains aufzuwerten. Stolz präsentieren sie neue Abfüllungen, die im Regal ebenbürtig neben anderen Whiskys derselben Destillerie stehen. Neben schottischen Grain Whiskys wie Haig Club wird mit dem Kilbeggan Single Grain auch ein Whiskey aus Irland aus Getreide (in diesem Fall hauptsächlich Mais) gebrannt. Bei der Koval-Destillerie aus den USA setzt man auf die Geschmacksintensität von gleich vier verschiedenen Getreiden – der Koval Four Grain wird aus Hafer, gemälzter Gerste, Roggen und Weizen hergestellt. Auch in Japan steht man Grain Whisky offener gegenüber. Bekannte Grain Whiskys aus Nippon sind Nikka Coffey Grain (destilliert in Coffey Stills) oder Suntory Chita, welcher aus drei verschiedenen Getreidearten hergestellt wird und in unterschiedlichen Eichenholzfässern reift.

Single Grain Whisky stammt aus nur einer Destillerie

In Anlehnung an die wohl bekannteste schottische Whisky-Sorte Single Malt Whisky wird häufig der Begriff Single Grain Whisky verwendet. Dabei handelt es sich nicht – wie man vielleicht vermuten könnte – um einen Whisky aus nur einer Getreidesorte. Es wird wie oben schon erwähnt eine Getreidemischung zum Brennen verwendet. Vielmehr steht das „single“ ebenso wie bei Single Malt für die Herstellung in nur einer Destillerie. Der Single Grain Whisky stammt fast immer aus verschiedenen Fässern, die vor der Abfüllung miteinander vermählt werden. Auf diese Weise entsteht eine größere Konsistenz in Qualität und Geschmack, damit auch der Grain zum Genuss wird.

Beliebte Grain-Whisky-Marken im Überblick

Die Auswahl an Grain Whiskys ist im Vergleich zu Single Malts immer noch übersichtlich. Wir haben einige Marken recherchiert, die auch hierzulande erhältlich sind. Ob sich der Kauf lohnt, hängt natürlich wie oben beschrieben von den individuellen Vorlieben ab. Überwiegend sind Single Grains aber günstiger als Malt Whiskys, sodass das Risiko eines Fehlkaufs letztendlich überschaubar ist und man sich zumindest einen Grain in die Heimbar stellen kann:

Angebot Teeling Single Grain Irish Whisky, 1er Pack (1 x 700 ml)
Kilbeggan Single Grain Irish Whiskey (1 x 0.7 l)
Nikka Coffey Grain (1 x 0.7 l) in Geschenkverpackung
Haig Club Single Grain Scotch Whisky (1 x 0.7 l)
Angebot Suntory Whisky THE CHITA Single Grain mit Geschenkverpackung (1 x 0.7 l)
Koval Four Grain Whiskey (1 x 0.5 l)

Letzte Aktualisierung am 20.11.2018 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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