Vier Brennblasen erzeugen bei GlenDronach einen schweren Whisky im alten Stil (Foto: Malt Whisky)
Vier Brennblasen erzeugen bei GlenDronach einen schweren Whisky im alten Stil (Foto: Malt Whisky)

Wenn wir über rauchige Whiskys sprechen, dann wandert unser Blick häufig unwillkürlich ganz in den Westen Schottlands auf eine kleine Insel: Islay. Doch auch in anderen Regionen des Landes brennen Destillerien (wieder) Whiskys aus getorfter Gerste. Eine davon ist GlenDronach in den östlichen Highlands. Malt Whisky-Redakteur Lukas hat sich auf den Weg gemacht, um den GlenDronach Peated für unser Magazin zu probieren.

Die Fahrt über kurvige Landstraßen vorbei an saftig grünen Schafweiden und goldgelben Gerstenfeldern lohnt sich: Denn im Dörfchen Forgue in der Nähe von Huntly (bekannt für Dean’s Shortbread-Fabrik und Rizza’s Eisfabrik) warten die historischen Steingebäude der GlenDronach-Destillerie mit ihren markanten, rot lackierten Türen. Nicht alles ist so alt wie der charakteristische Kiln am Hauptgebäude: Das Still House wurde zum Beispiel erst 1966 ergänzt und erinnert mit seinem grauen Beton-Look ein wenig an die Caol Ila-Destillerie. Durch die großen Fenster schimmern zwei Brennblasen-Paare dem wolkenverhangenen Tag entgegen.

Keine klassische Schönheit: Das Stillhouse von GlenDronach wurde in den 60er Jahren nachträglich angebaut (Foto: Malt Whisky)
Keine klassische Schönheit: Das Stillhouse von GlenDronach wurde in den 60er Jahren nachträglich angebaut (Foto: Malt Whisky)

Hier entsteht er also: Der GlenDronach Peated. Eine besondere Abfüllung, weil er der einzige Whisky der Destillerie ist, der mit getorfter Gerste hergestellt wird.

Heute bleibt der Kiln kalt – getorfte Gerste gibt es trotzdem

Früher war das ganz normal: Man warf ins Feuer, was man gerade hatte und Torf brannte nun einmal gut. Folglich schmeckten Whiskys in früheren Zeiten häufig rauchig und torfig (beide Aromen sollte man nicht gleichsetzen, ein Single Malt kann durchaus torfig, aber nicht rauchig schmecken – und umgekehrt). Heute erhalten die meisten Destillerien ihre Gerste aus großen Mälzereien fertig vorbereitet angeliefert. Getorft ist sie nur noch, wenn der Brennmeister es explizit bestellt. Auch bei GlenDronach ist das so: Der Kiln bleibt kalt und die Gerste wird in einer Mälzerei in Buckie an der Küste vorbereitet.

Nicht mehr in Betrieb: Die Mälzböden und der Kiln von GlenDronach (Foto: Malt Whisky)
Nicht mehr in Betrieb: Die Mälzböden und der Kiln von GlenDronach (Foto: Malt Whisky)

Nicht jeder möchte einen flüssigen Aschenbecher trinken

Einen getorften Whisky ins Programm zu nehmen, ist immer noch ein mutiger Schritt. Das mag uns Whisky-Genießer, die wir doch den Geschmack von Lagerfeuer und Verbandsmaterial am liebsten noch am nächsten Morgen auf der Zunge haben möchten, erstaunen – aber es gibt eine ganze Reihe von Leuten, die das überhaupt nicht mögen.

Bei meiner Tour durch die GlenDronach-Destillerie war auch eine französische Besuchergruppe dabei. Eine Frau im mittleren Alter bestellte sich beim anschließenden Tasting auch einen Schluck des GlenDronach Peated. Sie nippte am Glas und die Gesichtszüge sagten alles… Später sah ich sie dann beim Kauf einer Flasche GlenDronach 12 Jahre und vermutlich ist sie mit dieser Wahl auch erheblich glücklicher.

Das kleine Beispiel erklärt, warum viele größere und mehr dem Mainstream verschriebene Brennereien das Experiment mit dem Torf scheuen: Sie haben Angst einen Teil ihrer Zielgruppe zu verschrecken, während sie auf der anderen Seite nicht genug „Peatheads“ dazu gewinnen.

Hinter der Destillerie erstrecken sich Gerstenfelder bis zum Horizont – verwendet wird aber eine Mischung (Foto: Malt Whisky)
Hinter der Destillerie erstrecken sich Gerstenfelder bis zum Horizont – verwendet wird aber eine Mischung (Foto: Malt Whisky)

Seit 2015 gibt es den GlenDronach Peated

GlenDronach hat sich 2015 getraut und so kommt immer wieder getorfte Gerste in die Mash Tuns. Die Gerste verfügt über einen Torfgehalt von 25 ppm und liegt damit ungefähr auf dem Niveau von Bowmore und Talisker (beide 25-30 ppm).

Nun sagt der in der Gerste gemessene ppm-Wert nicht allzu viel aus, wie wir in unserem Artikel „Torfiger Whisky: Phenole und der große Bluff mit den ppm-Werten“ bereits erklärt haben. Schließlich geht eine ganze Menge Torf beim Brennen verloren, auch bei der Fasslagerung wird die Substanz über die Jahre abgebaut.

Da der GlenDronach Peated aber ohne Age-Statement auskommt, können wir wohl doch davon ausgehen, dass ein guter Teil des Torfs im vermutlich jünger als 10 Jahre alten Whisky enthalten ist. Laut Tourguide ist der GlenDronach Peated ungefähr 7 Jahre alt. Ungefärbt und ungefiltert kommt er nach dieser Lagerzeit mit 46 % Alkoholgehalt in die Flasche.

Nun sollte man sich an die Altersangabe auf Whiskys auch nicht festklammern, wie eine alte Oma an ihre Handtasche. Denn gerade bei getorften Malts gibt es auch sehr gute Beispiele für jüngere Abfüllungen, die vorzüglich funktionieren: Man denke etwa an den gelungenen Lagavulin 8 Jahre oder an den ebenfalls guten Ardmore Legacy (NAS).

Neben klassischen Dunnage Warehouses wie diesen nutzt GlenDronach auch noch größere Lagerhäuser zur Reifung des Whiskys (Foto: Malt Whisky)
Neben klassischen Dunnage Warehouses wie diesen nutzt GlenDronach auch noch größere Lagerhäuser zur Reifung des Whiskys (Foto: Malt Whisky)

Bourbon und zweimal Sherry – aber kein Age Statement

In einem Punkt bleibt der „Peated“ der Linie der Destillerie treu: Denn fast alle Malts von GlenDronach kommen an irgendeinem Punkt ihrer Reifung mit einem Sherryfass in Berührung. Viele reifen sogar ihr ganzes Leben in einem ehemaligen „sherry butt“. Beim GlenDronach Peated erfolgt die Lagerung zunächst in ehemaligen Bourbon-Barrels. Dann folgt ein Finish in Oloroso- und Pedro Ximenez-Sherryfässern.

Wir sind gespannt wie sich Torf und Sherry im Glas vertragen werden!

Der GlenDronach Peated setzt bei der Gestaltung auf klassische Motive (Foto: Amazon, Gestaltung: Malt Whisky)
Der GlenDronach Peated setzt bei der Gestaltung auf klassische Motive (Foto: Amazon, Gestaltung: Malt Whisky)

Unser Tasting des GlenDronach Peated

Wie riecht er?

Der milde Rauch eines erloschenen Lagerfeuers liegt in der Luft. Räucherspeck und ein Stück vergessenes Stockbrot. Dazu Vanille, herbe Birne und Johannisbeeren. Im Hintergrund der Sherry, der umflossen wird von noch mehr weichem Rauch. Auch mineralische Noten schwingen mit, sorgen dafür dass der GlenDronach salzig riecht – ganz so als hätte er Meerluft geschnuppert.

Wie schmeckt er?

Im Mund ist der Torf deutlich dominanter als der Rauch. Der GlenDronach Peated schmeckt salzig und erdig. Dennoch ist er viel milder als der typische Islay-Whisky. Interessant ansonsten das cremige Mundgefühl, der Single Malt schmeckt richtig üppig und voll wie eine Sahnecreme zum Dessert. Hinten sind Sherry und Holz zu schmecken, aber deutlich zurückgenommener als etwa beim GlenDronach 12 Jahre. Im Nachgeschmack dunkle Noten von Baumrinde.

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GlenDronach Peated
Gestaltung & Story85
Geruch78
Geschmack81
Preis-Leistung85
82
Vorzüglich
Fazit
Der GlenDronach Peated ist zunächst einmal ein spannendes Experiment: Kann ein getorfter Whisky aus den Highlands gut sein? Ja er kann. Der Peated ist zwar kein besonders komplexer, aber ein sehr angenehm zu genießender Single Malt mit dezentem Torf. Nur die für GlenDronach so typische Sherrynote kann sich gegen den Rauch nicht ganz durchsetzen. Die Preis-Leistung unter 40 Euro ist sehr gut. Empfehlung!

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