„Winter is here“, heißt es bei Johnnie Walker und tatsächlich kommen eisige Zeiten auf uns Scotch-Genießer zu: Der neue White Walker ist der offizielle Game of Thrones-Whisky. An mir ist die Serie bisher ja völlig vorbeigegangen. Ich weiß natürlich, dass es sich um eine Fantasy-Mittelalter-Saga handelt, in der Männer grimmig gucken, mit Fell um die Schultern durch den Schnee stapfen und fiese Intrigen aushecken. Auch vom großen Erfolg habe ich gehört: Sieben Staffeln GoT gibt es. Fürs „binge-watching“ gibt es mit dem White Walker nun das passende Getränk. Und dem fühlen wir auf den Zahn: Ist der Blend nur etwas für eingefleischte Serien-Fans oder kann er auch als Scotch-Whisky pur der Eiszeit trotzen?

Die schicke Optik des Game of Thrones-Whiskys macht auf den ersten Blick schon viel her: Die komplette Flasche der Limited Edition ist mit einer Folie ummantelt, die sich ausgesprochen rau anfühlt und von der Gestaltung an einen vereisten Felsen erinnert. Die Illustration von Johnnie Walker hat Attribute erhalten, welche Fans von Game of Thrones sofort wiedererkennen werden: Der „White Walker“ (in der deutschen Fassung: „weißen Wanderer“) ist benannt nach den humanoiden Kreaturen, die unheilbringend durch das Land ziehen. Folglich sind auch Johnnies Augen eisblau, seine Hand am Hut gleicht einer scharfen Kralle und sein Spazierstock ist ein grob gearbeitetes Schwert. Der Whisky fügt sich so einerseits in die Gestaltung der anderen Johnnie Walker-Blends ein, greift andererseits aber Motive aus Game of Thrones auf.

Der White Walker spaziert mit Motiven aus Game of Thrones durch das ewige Eis (Foto: Johnnie Walker)
Der White Walker spaziert mit Motiven aus Game of Thrones durch das ewige Eis (Foto: Johnnie Walker)

Kein Rauch, aber blumige und fruchtige Noten

Bei Game of Thrones wird nicht lange gefackelt: In den ersten 15 Minuten der Pilotfolge wird ein Feld mit Leichenteilen im Schnee gezeigt, kurz darauf rollen drei Köpfe, das Abschlagen wird genussvoll inszeniert. Im Vergleich zu der rauen Serienwelt kommt der Johnnie Walker White Walker erstaunlich zahm daher: Kein Rauch, kein Torf, stattdessen geben süße und fruchtige Noten den Ton an. Auf dem Etikett werden die Aromen von karamelisiertem Zucker und Vanille, ebenso wie von frischen roten Beeren und „Gartenfrüchten“ versprochen (wir werden gleich im Tasting sehen, was davon wirklich da ist). Das verwundert schon etwas und deutet darauf hin, dass Johnnie Walker wohl vor allem einen Whisky kreieren wollte, der möglichst vielen Fans schmeckt und der beim Genuss nicht groß aneckt.

Zwischen Petersilie und TK-Schnitzel fühlt sich der White Walker laut Hersteller am wohlsten... (Foto: Malt Whisky)
Zwischen Petersilie und TK-Schnitzel fühlt sich der White Walker laut Hersteller am wohlsten… (Foto: Malt Whisky)

Johnnie Walker empfiehlt: Game of Thrones-Whisky aus dem Eisfach servieren

Dazu passt auch der offizielle Serviervorschlag: Eiskalt aus dem Gefrierschrank soll man den White Walker am besten einschenken. Gepaart mit dem Versprechen, dass sich die Komplexität des Whiskys immer weiter entwickeln soll, je näher dann wieder der Zimmertemperatur kommt. Das ist ungewöhnlich, empfehlen die meisten Whisky-Destillerien für ihre hochwertigen Malts doch eher das Servieren bei Zimmertemperatur. Aber der White Walker ist eben auch ein Scotch Blend und daher geht die Empfehlung des Servierens „auf Eis“ schon in Ordnung.

Nur falls die Frage aufkommt: Das alles hat natürlich nichts mit der Kältefiltration zu tun, welcher der White Walker unterzogen wurde und die auf der Flasche fast schon stolz mit der Aussage „chill-filtered to 1.5° C“ beworben wird. Hier haben wir den Prozess der Kältefiltrierung bei Whisky schon einmal ausführlich erklärt.

In malerischer Natur liegen die Warehouses von Cardhu. (Foto: Yashima / Flickr)
Von Eis weit und breit keine Spur: Warehouses bei Cardhu in der schottischen Speyside. (Foto: Yashima / Flickr)

Was ist drin wo White Walker draufsteht?

Beim Johnnie Walker White Walker handelt es sich um einen Scotch Blend, also um eine Mischung aus Malt Whiskys und (günstiger zu produzierenden) Grain Whiskys. Auf der Flasche werden die beiden Destillerien Cardhu und Clynelish genannt – das Herzstück des Game of Thrones-Whiskys stamme aus diesen Brennereien. Vermutlich haben also auch noch andere Whisky-Destillerien aus dem Diageo-Universum ihre Malts beigesteuert.

Johnnie Walker scheint zu vermuten, dass sich die Fans von Game of Thrones wohl besser in der Topografie der Fantasiewelten Westeros und Essos als in der von Schottland auskennen. So wird auf der Flasche behauptet, bei Cardhu und Clynelish handle es sich um „einige der nördlichsten Destillerien Schottlands“. Nun befindet sich Cardhu in der Speyside und somit ziemlich in der Mitte von Schottland. Und Clynelish liegt zwar schon in den nördlichen Highlands, aber mit Pulteney, Wolfburn, Scapa und Highland Park gibt es eben auch noch eine gute Handvoll bekannter Namen die noch etwas nördlicher liegen.

Unser Tasting des Johnnie Walker White Walker

Wie riecht er?

Ein heller und leichter Geruch, der uns an grünen Apfel und Butterkekse erinnert. Hinzu kommt eine frische Zitrusnote, wir denken an Zuckerguss mit Zitronensaft oder auch abgeriebene Zitronenschale. Mit zunehmender Erwärmung wird der Johnnie White Walker süßer mit Noten von Blütenhonig und Wassermelone. Immer wieder kommt auch der junge Alkohol durch und sorgt dafür, dass der White Walker etwas in der Nase sticht (immerhin haut er uns nicht gleich den Kopf ab…).

Wie schmeckt er?

Leicht, süß und überraschend trocken eröffnet der White Walker die Geschmacksprobe. Wir schmecken die versprochene Vanille, auch die Johannisbeeren sind da. Dazu etwas Griespudding. Viel mehr ist leider nicht drin, bevor der weiße Wanderer frech verkündet, dass er heute „nicht mehr alt“ werde und sich mit reichlich jungen Alkoholnoten verabschiedet. Leider ein kurzer und flacher Auftritt – hier hätten wir deutlich mehr erwartet.

Alternativen von Johnnie Walker bis 35 Euro im Überblick

Der White Walker wirkt im Vergleich zu anderen Johnnie Walker Blends nicht wirklich günstig: So gibt es den Johnnie Walker Black Label ebenfalls für unter 30 Euro – und der trägt immerhin ein Age-Statement von 12 Jahren. Geschmacklich ist er etwas strukturierter als der White Walker. Für rund 35 Euro wandert der Johnnie Walker Green Label 15 Jahre in den Warenkorb. Er ist ein Blended Malt, enthält also keinen Grain Whisky, sondern nur verschiedene Single Malts. Ein deutliches Geschmacks-Upgrade für ein paar Dollar mehr und unsere Empfehlung an dieser Stelle!

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Johnnie Walker White Walker
Gestaltung & Story75
Geruch52
Geschmack58
Preis-Leistung50
59
Mäßig
Fazit
Beim White Walker aka Game-of-Thrones-Whisky passt so einiges nicht zusammen: Auf der einen Seite eine raue Mittelalter-Fantasy-Serie, auf der anderen ein überaus weicher und unscheinbarer Johnnie Walker. Qualitativ liegt er irgendwo zwischen Red Label und Black Label und kann weder im Nosing noch im Tasting überzeugen. Auf Eis ist er etwas besser, die Zitrusnoten kommen klarer hervor. Dennoch ein mittelmäßiger Whisky – der Preis von rund 30 Euro ist deutlich zu hoch und preist vermutlich die teure Lizenz mit ein. Bessere Alternative: Johnnie Walker Green Label.

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